Gutachten im Totraser-Prozess um kleinen Ali (†6): Unfall war vermeidbar

Dresden - Im Prozess um den tragischen Tod des kleinen Ali (†6) an der Budapester Straße sprach am Landgericht Dresden der Gutachter. Die Unfallanalyse von Florian Vogt (41) von der DEKRA war eindeutig: Der Unfall wäre vermeidbar gewesen!

DEKRA-Gutachter Florian Vogt (41, rechts), hier im Gespräch mit Oberstaatsanwalt Jens Hertel (57), legte am Mittwoch seine Gutachten zum tödlichen Unfall vor.
DEKRA-Gutachter Florian Vogt (41, rechts), hier im Gespräch mit Oberstaatsanwalt Jens Hertel (57), legte am Mittwoch seine Gutachten zum tödlichen Unfall vor.  © Holm Helis

Laut Anklage lieferten sich Mohammad F. (32) und Mohamed A. (24) im August 2020 ein illegales Autorennen im Mercedes und im BMW. Der Benz erfasste auf der Budapester Straße das Kind.

Nach akribischer Auswertung von Spuren, Untersuchungen und Vermessungen sagte Vogt: "Der Fußgänger war ohne Einschränkungen sichtbar." Ali war noch 1,85 Meter vom Fußweg entfernt, als der Unfall passierte.

Der Benz erfasste den Jungen mit mindestens 89 km/h, kam ungewöhnlich weit nach dem Aufprall erst zum Stehen.

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Der Gutachter dazu: "Entweder der Fahrer hat zu spät reagiert, um zu bremsen. Oder die Geschwindigkeit war deutlich höher." Aber bei einer (erlaubten) Geschwindigkeit von 50 km/h hätte der Benz elf Meter vor dem Kind gestoppt.

So aber schleuderte der 24 Kilo leichte Körper von Ali über 20 Meter weit und durchschlug mit über 30 km/h die Schreibe der Bushaltestelle. Der Junge hatte keine Chance.

Zweitem Fahrer droht ebenfalls höhere Strafe

Der Mercedes kurz nach der Kollision. Der kleine Ali hatte keine Chance.
Der Mercedes kurz nach der Kollision. Der kleine Ali hatte keine Chance.  © Montage: Roland Halkasch, privat

Auf einem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie kurz vorher der BMW dem Benz regelrecht hinterherjagt. Der Gutachter: "Kurz vor der Kollision waren beide Fahrzeuge etwa gleich auf. Der BMW links, der Mercedes rechts."

Nachdem der Gutachter seine Ausführungen beendet hatte, gab der Richter einen rechtlichen Hinweis.

Demnach kommt auch für den mutmaßlichen BMW-Fahrer Mohamed A. eine Verurteilung wegen verbotene Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge in Betracht.

Mohamed A. (r.) und Mohammad F. müssen sich vor Gericht verantworten.
Mohamed A. (r.) und Mohammad F. müssen sich vor Gericht verantworten.  © Montage: Holm Helis

Bisher standen für ihn wegen einer möglichen Beteiligung an solch einem Rennen "nur" maximal zwei Jahre Haft im Raum. Damit drohen auch ihm bis zu zehn Jahren Haft. Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Montage: Roland Halkasch, privat

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