Heute startet der Prozess gegen den Messer-Mörder aus Dresden

Dresden - Der Mord an der Schloßstraße in Dresden. Ab dem heutigen Montag wird dem mutmaßlichen Täter, Abdullah A. H. H. (21), der Prozess gemacht. Verhandelt wird im Hochsicherheitsgericht am Hammerweg.

Abdullah A. H. H. (21) wird in den Gerichtssaal geführt.
Abdullah A. H. H. (21) wird in den Gerichtssaal geführt.  © Ove Landgraf

Die Tat schockte ganz Deutschland. Am 4. Oktober 2020 gegen 21.30 Uhr wurden zwei Touristen aus Nordrhein-Westfalen an der Schloßstraße mitten in der historischen Altstadt niedergestochen.

Thomas L. (†55) erlag seinen schweren Verletzungen wenig später in der Uni-Klinik. Sein Lebenspartner Oliver (53) überlebte den Angriff. Zwei Wochen später hatten die 28 Beamten der Soko "Schloßstraße" den mutmaßlichen Täter gefasst: den als Gefährder eingestuften Syrer Abdullah A. H. H.

Der Vorfall zeigte auf dramatische Weise, wie schwer solche Gefährder zu überwachen sind und wie Behörden an ihre Grenzen kommen. Denn nur fünf Tage vor der Bluttat war Abdullah A. H. H. aus der Haft entlassen worden. Der Generalbundesanwalt (GBA) übernahm und schrieb die Anklage wegen Mordes.

Demnach handelte der Täter aus radikal-islamistischer Gesinnung. Er habe die beiden Männer ausgewählt, "um sie als Repräsentanten einer von ihm als 'ungläubig' abgelehnten freiheitlichen und offenen Gesellschaftsordnung mit dem Tode zu bestrafen", so die Anklage.

Zwölf Verhandlungstage hat der Staatsschutzsenat des zuständigen Oberlandesgerichts für den Prozess geplant, um Ende Mai ein Urteil zu sprechen.

Verhandelt wird im Hochsicherheitsgericht am Hammerweg.
Verhandelt wird im Hochsicherheitsgericht am Hammerweg.  © Ove Landgraf

Angeklagter plante Attentate in Dresden

Am Tatabend sicherten Ermittler erste Spuren.
Am Tatabend sicherten Ermittler erste Spuren.  © Roland Halkasch

Abdullah A. H. H. (21) saß schon einmal auf der Anklagebank in diesem Hochsicherheitsgericht. Im November 2018 wurde er dort zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er galt als Unterstützer und Anhänger der Terror-Miliz IS, plante Selbstmordattentate in Dresden, bezog Baupläne für Sprengstoffgürtel.

Obwohl im Knast die Deradikalisierungs-Betreuung ebenso fehlschlug wie psychologische Beratungen, Abdullah Wachpersonal angriff und weiterhin als Gefährder eingestuft wurde, kam er am 29. September 2020 auf freien Fuß.

Unter sämtlichen Auflagen und Überwachungen, die laut Terrorabwehrzentrum zulässig waren. Dennoch konnte Abdullah A. H. H. offenbar eine "Lücke" nutzen, mordete mitten in Dresden.

Geradezu grotesk: Sowohl kurz vor der Tat als auch am Folgetag kam er Täter seinen Auflagen nach, sprach im Revier Nord vor - als sei nichts gewesen...

Titelfoto: Bildmontage: Roland Halkasch, Ove Landgraf

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