Hitlergruß-Prozess geplatzt, doch den Täter trifft keine Schuld

Dresden - Der Richter war da, Staatsanwalt und Verteidiger auch.

An der Haltstelle Peschelstraße endete Silvios Klau- und Propagandatour.
An der Haltstelle Peschelstraße endete Silvios Klau- und Propagandatour.  © Petra Hornig

Eigentlich sollte sich Silvio G. (43) vor dem Dresdner Amtsgericht unter anderem wegen einem Hitlergruß verantworten. Doch zum Prozess saß er im Knast fest, weil er zwischenzeitlich schon wieder den Hitlergruß gezeigt hatte.

Mitten im Lockdown am 26. März soll es geschehen sein: Silvio G. soll erst rumgepöbelt, die Polizei dann mit dem verbotenen Gruß empfangen haben. Außerdem soll er sich auch Hühnerfleisch im Kaufland eingesteckt haben. 

Doch zur Verlesung der Anklage kam es gar nicht erst. Denn Silvio saß zwar hinter Gittern. Allerdings hatte niemand beantragt, ihn zum Gericht zu bringen.

"Er befindet sich in anderer Sache in Untersuchungshaft", sagte Richter Markus Maier (60). "Eine Vorführung in vorliegender Sache, in der die Terminierung schon am 8. September erfolgte, wurde nicht angeordnet. Eine Fortführung am heutigen Tag ist nicht möglich." 

Und so wurde der Prozess ausgesetzt.

Mit zwei Promille festgenommen

Die "andere Sache" hat eine ganz ähnliche Färbung: Denn in der Linie 4 Richtung Weinböhla war Silvio ebenfalls durch Hitlergruß und antisemitische Parolen aufgefallen.

Wenig später eilte die Polizei nach Radebeul: Silvio hatte sich dort im Rewe den Rucksack mit Waren im Wert von 30 Euro vollgestopft und zwei Mitarbeiterinnen umgestoßen.

Wenig später nahm ihn die Polizei mit zwei Promille an der Haltestelle Peschelstraße fest. Seitdem sitzt er ein. 

Titelfoto: Petra Hornig

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