Ingenieurin wollte 100.000 Euro! Prozess um das Gammelhaus von Meißen

Meißen - In Meißen kennt wohl jeder das Haus mit der Nummer 32 in der Görnischen Gasse. Nun muss sich die ehemalige Besitzerin des "Gammelhauses" oder "Schwammhauses", wie das seit Jahrzehnten leerstehende Wohnhaus von den Meißnern genannt wird, vor dem Dresdner Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: versuchter Betrug.

Anwalt Martin Braukmann (61) sprach für die Angeklagte, die selbst nicht zur Verhandlung kam.
Anwalt Martin Braukmann (61) sprach für die Angeklagte, die selbst nicht zur Verhandlung kam.  © Holm Helis

Im April 2019 wollte Katharina M. (38), die in Bayern lebt und selbst angeblich noch nie in Meißen war, die Immobilie für 100.000 Euro verkaufen.

Im Kaufvertrag steht jedoch nichts vom sogenannten Echten Hausschwamm. Dabei ist der in der Immobilie lange nachgewiesen und wurde von der Stadt bereits durch eine Notmaßnahme angefangen zu beseitigen. Stattdessen steht im Vertrag, es gebe keine Mängel.

"Es dürfte allseits bekannt sein, dass Hausschwamm ein Mangel ist", sagte Richter Martin Schultze-Griebler.

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Per Strafbefehl wurde die Ingenieurin für Qualitätssicherung deshalb bereits zu einer Geldstrafe von 4800 Euro verdonnert, hatte dagegen Einspruch eingelegt.

Vor Gericht ließ sich M. von ihrem Anwalt vertreten. Außerdem war ihr Vater Emil E. (81), der das Haus Ende der 90er gekauft und zehn Jahre später seiner Tochter geschenkt hat, als Zeuge da.

Er war es auch, der es nun verkaufen sollte und dafür einen Makler beauftragte.

Haus hat Besitzer mehrfach gewechselt

Das "Schwammhaus" in Meißen ist mittlerweile verkauft und wird saniert.
Das "Schwammhaus" in Meißen ist mittlerweile verkauft und wird saniert.  © Holm Helis

Dieser habe ihm versichert, dass die Käufer über den Schwamm informiert wurden, sagt der ehemalige Architekt.

Einen Beweis dafür hat er allerdings nicht. Denn bei der Polizei konnte sich der Makler daran nicht mehr erinnern. Und vor Gericht erschien er nicht, obwohl er als Zeuge geladen war.

Während der Prozess noch fortgeführt wird, hat das Haus seinen Besitzer mittlerweile mehrfach gewechselt.

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Nachdem es die ursprünglichen Käufer für einen reduzierten Preis von 65.000 Euro gekauft hatten, wurde es von ihnen an einen Nachbarn weiterverkauft.

Der will es nun sanieren.

Titelfoto: Holm Helis

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