Kranke Heimbewohner weggesperrt? Pflegehelfer vor Gericht

Dresden - Der große Pflegenotstand hierzulande ist nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt. Seit Jahren arbeitet das Personal von Kliniken und Heimen am Limit. Doch Pflegehelfer Amer A. (28) soll in einem Pflegeheim in Dresden über die Stränge geschlagen haben und muss sich nun wegen Freiheitsberaubung und Nötigung verantworten.

Amer A. (28) schweigt zu den Vorwürfen im Gericht.
Amer A. (28) schweigt zu den Vorwürfen im Gericht.  © Steffen Füssel

Laut Anklage schloss der gebürtige Libyer eine demenzkranke Bewohnerin (79) in ihr Zimmer ein. Wie lange, ist unklar. 

"Aber als ich meine Mutter besuchen wollte, lief er mit dem Schlüssel vor mir her und öffnete die Tür", so der Sohn (54). 

"Sie schließt sich nie selber ein. Ich weiß auch, dass sie schwierig ist, aber das ist ja keine Lösung."

Und in jenem Januar 2017 soll sich Amer einen weiteren Fauxpas geleistet haben. Eine ebenfalls demenzkranke Senioren, die abends nicht ins Bett wollte, schulterte der Pfleger, um sie "gegen ihren Willen ins Bett zu bringen", so die Anklage.

Kurz danach flog der Pfleger aus dem Job, ging zur Polizei und erstattete Anzeige wegen Verleumdung. Er sei ungerechtfertigt gefeuert worden. Im Prozess schweigt Amer.


Die ehemalige Pflegedienstleiterin aus dem Heim erklärte: "Es gab öfter Gespräche mit ihm. Es ging zum Beispiel um die Achtung den Damen gegenüber. Kritik hat er nicht annehmen wollen. Er stritt immer bis aufs Messer." Urteil folgt. 

Titelfoto: Steffen Füssel

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