Nach irrer Verfolgungsfahrt durch Sachsen: Rasender Melker gibt der Polizei die Schuld

Dresden - Grundsätzlich dürfen Angeklagte im Gericht ihre Taten ja erklären wie, sie wollen. Doch die Ausrede von Detlef P. (61) am Amtsgericht Dresden hatte Seltenheitswert.

Der ohnehin eingezogene Führerschein von Detlef P. (61) bleibt per Urteil weitere zwei Jahre gesperrt.
Der ohnehin eingezogene Führerschein von Detlef P. (61) bleibt per Urteil weitere zwei Jahre gesperrt.  © Peter Schulze

Der Melker behauptete, die Polizei habe ihn zu einer Raserei durchs Polenztal genötigt und obendrein seinen Führerschein geklaut. Verurteilt wurde der Verkehrsrowdy dennoch.

Im September 2019 war Detlef P. im Fiesta nachts auf dem Weg zur Arbeit. Allerdings zu schnell. Weshalb ihn eine Streife bei Rückersdorf kontrollieren wollte. Doch der Melker trat aufs Gas, düste quer durch den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge davon. Laut Anklage, weil er wusste, dass er keinen Führerschein besitzt.

Die "Rennstrecke" ging über Langenwolmsdorf, Heeselicht, Neustadt, Porschdorf bis hinunter nach Bad Schandau, zuweilen über Waldstraßen oder Felder.

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Blaulicht, Sirene, Stoppschilder ignorierte Detlef ebenso wie querstehende Polizeiautos - die er einfach umkurvte. Über die B172 ging es weiter Richtung Dresden. Auf der Strecke zirkelte der rasende Fiesta zweimal an "Nagelbändern" der Polizei vorbei, rammte Polizeiautos, wurde geblitzt, fuhr bei Rot, wahlweise im Gegenverkehr.

Die Jagd endete letztlich an der Dorotheenstraße in Dresden. Wie durch ein Wunder gab es keine Verletzten.

Richter verdonnert Raser zu 15 Monaten auf Bewährung und 500 Euro für guten Zweck

Polizeisperren umfuhr der Angeklagte einfach - genauso wie Nagelbänder. (Symbolbild)
Polizeisperren umfuhr der Angeklagte einfach - genauso wie Nagelbänder. (Symbolbild)  © 123RF/Jaromír Chalabala

"Gelogen", schimpfte der Melker trotzig. Zu ihm sei plötzlich jemand ins Auto gesprungen, habe ihm eine Waffe in die Seite gedrückt und zum Fahren gezwungen. Und der vermeintliche Täter sei ein Polizist gewesen, davon war Detlef P. überzeugt. "Sonst hätten die anderen doch irgendwann mal geschossen. Haben sie aber nicht, weil das einer von ihnen war!", tönte der Angeklagte.

Und: "Natürlich ich hatte einen Führerschein. Aber den hat die Polizei mir aus dem Portemonnaie geklaut."

Der Amtsrichter mahnte: "Nehmen Sie doch bitte die Realität zur Kenntnis", sagte der Jurist mit Blick auf die Akte. Die war gefüllt mit Fotos mit demolierten Autos, dem Blitzerfoto, Zeugenaussagen, die nur eine Person im Fiesta gesehen hatten und der Tatsache, dass der Melker seit den 90er Jahren keinen Führerschein mehr hat (wegen Trunkenheitsfahrten).

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"Da kann ich ja gleich behaupten, ich hätte das Grüne Gewölbe ausgeräumt", schäumte Detlef P., der dann aber die Raserei doch über seinen Anwalt einräumte. Das Warum blieb er aber schuldig.

Ein Urteil gab es trotzdem: 15 Monate Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Drei Jahre lang darf sich der Melker nichts zuschulden kommen lassen, sonst fährt er ein. Außerdem muss er 500 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.

Titelfoto: Montage: 123RF/Jaromir Chalabala, Peter Schulze

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