Ohne Fleppen Unfall gebaut: Bruchpilot schiebt alles auf erfundenen "Autodieb"

Dresden - Schlimm genug, dass Marcel S. (30) seinen Benz C 300 ohne Führerschein steuerte. Der Chef einer IT-Firma fabrizierte zudem einen Unfall, floh zu Fuß vom Tatort und meldete den 184-PS-Boliden als gestohlen. Natürlich kam die Wahrheit ans Licht. Am Montag saß der gelernte Versicherungskaufmann vorm Amtsrichter in Dresden.

Crashpilot Marcel S. (30) ist derzeit nur per Bus und Bahn unterwegs.
Crashpilot Marcel S. (30) ist derzeit nur per Bus und Bahn unterwegs.  © Peter Schulze

"Den Wagen als gestohlen zu melden, war für mich die einzige Möglichkeit, alles plausibel zu erklären", gestand Marcel S. 

Der Führerschein war dem 30-Jährigen wegen Trunkenheit schon längst entzogen worden, dennoch fuhr er im Januar 2018 im Benz über die Lommatzscher Straße. An der Kreuzung Bunsenstraße krachte er schließlich frontal in einen Toyota, der links abbiegen wollte. 

Seine Ampel sei gelb gewesen, erklärte Marcel, er habe die Wahl zwischen "Vollbremsung" und durchfahren gehabt...

"Ich wollte abbiegen, schaute auch nach möglichen Radfahrern, und als ich mich wieder umdrehe, raste der Wagen in meinen", erinnerte sich der Toyota-Fahrer (78), dessen Auto um 180 Grad gedreht wurde. 

Dem ehemaligen Ingenieur passierte zum Glück nichts. Der Benz flog nach dem Crash über den Fußweg, kam krachend am Trafohaus zum Stehen. 

Unmittelbar vor der Haltestelle, in die gerade ein Bus eingefahren war, die Türen geöffnet wurden - das war knapp.

Nach dem Unfall rannte er davon und machte den nächsten Fehler

Die Unfallstelle nach dem Crash: im Vordergrund der demolierte Toyota, der um die eigene Achse gedreht wurde. Auf der anderen Straßenseite blieb der schrottreife Benz liegen.
Die Unfallstelle nach dem Crash: im Vordergrund der demolierte Toyota, der um die eigene Achse gedreht wurde. Auf der anderen Straßenseite blieb der schrottreife Benz liegen.  © Roland Halkasch

Ein Zeuge sagte, der Benz hätte kurz vor der Kollision trotz Sperrstreifen rasend überholt. Marcel rannte nach dem Unfall davon. Er ließ aber Papiere und Originalschlüssel zurück. Seine Schwindelei flog recht schnell auf. "Bei dem Unfall hatten mehrere Leute einen Schutzengel", konstatierte der Richter. "Das war hollywoodreif!" 

Er verdonnerte den Bruchpiloten zu 7 000 Euro Strafe. Ob und wann die Führerscheinbehörde Marcel S. je wieder einen Führerschein zubilligt, steht in den Sternen. 

Titelfoto: Roland Halkasch, Peter Schulze

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