Per Videoschalte: Überlebender sagt im Prozess nach Messer-Mord aus

Dresden - Der Mord an der Schloßstraße in Dresden. Im Hochsicherheitsgericht am Hammerweg wird derzeit gegen den radikalen Islamisten Abdullah A. H. H. (21) verhandelt.

Tatort Schloßstraße: Hier starb Thomas L. (†55).
Tatort Schloßstraße: Hier starb Thomas L. (†55).  © Norbert Neuman

Er tötete im Oktober 2020 den Touristen Thomas L. (†55) mit einer Messerattacke, verletzte dessen Lebensgefährten Oliver L. (54) schwer. Per Videovernehmung wurde das traumatisierte, überlebende Opfer am Freitag gehört.

Beide Männer waren einen Tag vor dem Attentat in Dresden angekommen, besuchten vorher Weimar und Erfurt. Sie fuhren mit den Rädern durch die City, aßen abends am Neumarkt im Restaurant, bummelten danach durch die Gassen.

"Auf einmal spürte ich einen Schlag im Rücken", so Oliver L. "Aber es fühlte sich an, als würde mir unverhofft ein Freund auf die Schulter schlagen." Doch laut Anklage hatte Abdullah mit je einem Messer die nebeneinanderher laufenden Männer von hinten attackiert, was die Opfer in dem Moment noch gar nicht realisierten.

"Auch Thomas spürte den Stoß. Wir drehten uns gleichzeitig um", sagte Oliver nach Worten ringend. "Ich weiß nicht mehr, was es war, aber irgendwas empfanden wir genau in dem Moment als bedrohlich und schrien laut."

Abdullah A. H. H. hört Zeugen teilnahmslos zu

Wirkte bei den Zeugenaussagen teilnahmslos: der radikale Islamist Abdullah A. H. H. (21).
Wirkte bei den Zeugenaussagen teilnahmslos: der radikale Islamist Abdullah A. H. H. (21).  © Ove Landgraf

An mehr erinnerte sich der Zeuge nicht. "Da bin ich auch ganz froh drüber", so Oliver L., der später von der Kripo erfuhr, dass er zwar schwer verletzt zu Boden ging, sich tretend wehrte und der Täter wieder auf ihn einstach.

"Ich weiß nur noch, dass mir eine Frau meine Hand hielt und ich ständig nach Thomas fragte. Aber erst viel später im Krankenhaus wurde mir gesagt, dass er tot ist." Für seinen Lebensgefährten, mit dem er über sieben Jahre zusammen gewesen war, kam jede Hilfe zu spät.

Die Frau, die Oliver die Hand gehalten hatte, war Agata C. (34). Auch die in Dänemark lebende Polin war Touristen in Dresden, saß in einer nahen Bar, als die Männer attackiert wurden. Sie rannte zu Oliver, "drücke ihm "nach Leibeskäften" die klaffenden Schnittwunden am Bein zu und blieb bei ihm, als der Notarzt vor Ort war.

"Es tut mir leid, dass ich nur einem der beiden helfen konnte", sagte die Frau, die am Freitag ebenfalls im Gericht die dramatischen Szenen von der Schloßstraße schilderte.

Abdullah A. H. H. hörte zwar all den Zeugen zu, wirkte aber völlig teilnahmslos. Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Norbert Neumann/Ove Landgraf

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0