Politiker verletzt: Angreifer begründet seine Eier-Attacke auf die Grünen-Stadträtin

Dresden - So sieht also Pazifismus von rechts aus: Am 23. Mai klatschte Jörg T. (61) der Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary (55) ein Ei ins Gesicht, schlug ihrem Parteifreund Norbert Engemaier (40) die Nase blutig. Sein Motiv: die Sorge um den Frieden.

Die Grünen Ulrike Caspary (55, l.) und Norbert Engemaier (40) wollen weiterhin mit Infoständen auftreten.
Die Grünen Ulrike Caspary (55, l.) und Norbert Engemaier (40) wollen weiterhin mit Infoständen auftreten.  © Peter Schulze

Mit dem rechtsextremen "Compact"-Magazin in der Hand eilte Jörg T. auf die Anklagebank, gab die Attacke unumwunden zu: "Es tut mir eigentlich leid. Ich habe der Frau das Ei auf die Stirn geschlagen." Den filmenden Engemaier will er weggestoßen haben, aus Angst, festgehalten zu werden.

Doch wieso dieser Ausraster? Eigentlich war der selbstständige Hausmeister nur Eier und Süßigkeiten einkaufen, stieß dann auf den Infostand der Grünen. Dort tobte eine Diskussion über Waffenlieferungen an die Ukraine.

"Ich habe sie gefragt, ob sie sich davon distanziert", so der Angeklagte. "Und da hat sie gesagt, sie befürworte das." Da sah der Selbstständige Rot: "Ich kann ja alles ertragen. Aber wenn es um Krieg geht, schwere Waffen geliefert werden, ist für mich eine Grenze erreicht."

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Die war auch für die Stadträtin erreicht. "Ich habe mehrfach versucht, ins Gespräch zu kommen", so Ulrike Caspary. "Aber es war nicht möglich. Ich bin schon manchmal allein zu Infoständen gegangen, das mache ich jetzt nicht mehr."

Mit einem Ei ging der Hausmeister auf die Stadträtin los. (Symbolfoto)
Mit einem Ei ging der Hausmeister auf die Stadträtin los. (Symbolfoto)  © YAY Images/Imago

Jörg T. entschuldigte sich mehrfach und wurde vom Richter getadelt

Jörg T. (61) musste sich am gestrigen Donnerstag wegen Körperverletzung verantworten.
Jörg T. (61) musste sich am gestrigen Donnerstag wegen Körperverletzung verantworten.  © Peter Schulze

Noch härter traf es Parteifreund Engemaier: "Ich musste mich erst mal hinsetzen", sagte er zu dem unerwarteten Faustschlag. Noch zwei Wochen schmerzte die Nase.

Jörg T. entschuldigte sich bei beiden mehrfach. "Ich fände es schön, wenn Sie das nächste Mal einfach reden", antwortete Stadträtin Caspary. Für die Attacke bekam er 4400 Euro Strafe (110 Tagessätze).

"Das war eine dumme und nicht hinnehmbare Aktion", tadelte Richter Roland Wirlitsch (61). "Auf der einen Seite sind Sie gegen Krieg, auf der anderen schlagen Sie jemandem auf die Nase."

Titelfoto: Peter Schulze

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