Ali (†6) starb bei einem Autorennen: Verabredeten sich die Männer zur Raserei?

Dresden - Der tragische Tod des kleinen Ali (†6). Am heutigen Mittwoch beginnt der Prozess am Landgericht Dresden gegen die beiden Männer, die sich ein illegales Straßenrennen geliefert haben sollen (TAG24 berichtete). Dabei erfasste der rasende Benz des Mohammad F. (32) den kleinen Jungen. Ali hatte keine Chance.

Der kleine Ali (†6) hatte bei dem Unfall keine Chance.
Der kleine Ali (†6) hatte bei dem Unfall keine Chance.  © privat

Am 22. August 2020 um 20.30 Uhr kamen Ali, der mit seiner Familie an der Budapester Straße wohnte, und seine Freunde (9, 10) vom Supermarkt. Sie hatten sich Süßigkeiten gekauft, liefen fröhlich lachend über die Straße heim.

Nur Minuten zuvor begannen die Syrer Mohammad F. und Mohamed A. an der Kesselsdorfer Straße ein Rennen. Der Benz und der BMW rasten Richtung Innenstadt. Und mit mindestens 89 km/h auch über die Budapester Straße.

Der Benz erfasste Ali. Der kleine Körper schleuderte über 20 Meter durch die Luft, durchschlug die Scheibe der dortigen Bushaltestelle. Ali war sofort tot. Einen Tag später kam Benz-Fahrer Mohammad F. in U-Haft (TAG24 berichtete).

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Nun müssen sich beide Männer wegen verbotenen Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge verantworten. Dabei treffen die Raser auch auf Nisrin A., die Mutter des toten Jungen. Sie wird am Prozess als Nebenklägerin teilnehmen.

Der Mercedes, der das Kind erfasste, wurde sofort sichergestellt.
Der Mercedes, der das Kind erfasste, wurde sofort sichergestellt.  © Roland Halkasch

Das Urteil soll Mitte März fallen.

Update, 10.26 Uhr: Verabredeten sich die Angeklagten zu Raserei?

Der Prozess hat begonnen. Hauptstreitpunkt in dem Verfahren wird sein, das illegale Rennen nachzuweisen. Haben sich die Angeklagten zu der Raserei verabredet? Kam es ihnen darauf an, jeweils schneller als der andere zu sein? Verhinderte der Gedanke "erster sein zu wollen" das rechtzeitige Bremsen?

Nur dann kann laut Strafgesetzbuch wegen eines illegalen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge verurteilt werden. Dann drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahren Haft. Bei dem Unglück, dem der kleine Ali zum Opfer fiel, hatte der Mercedes laut Anklage noch 73 km/h.

Zuvor hatten die Wagen mehr als 90 km/h auf dem Tacho, überholten andere Fahrzeuge riskant. Entscheidend wird auch ein Video sein, das die beiden Fahrzeuge bereits kurz nach der Nossener Brücke aufnahm, als die Boliden in Richtung Innenstadt rasten.

Update, 10.45 Uhr: Angeklagte schweigen zu den Vorwürfen

Die Angeklagten, bisher beide nicht vorbestraft, schweigen zu den Vorwürfen. Heute Nachmittag will das Gericht die Mutter des getöteten Jungen und die Beifahrer der Autos anhören.

Update, 14.15 Uhr: Todesfahrer grinst, als Mutter des Kindes vom letzten Tag erzählte

Als die Mutter des Jungen aussagte und vom letzten Lebenstag ihres Sohnes berichtete, schauten die beiden Angeklagten betreten auf die Tischplatten vor sich. Doch dann konnte sich Mohammad F. ein Grinsen nicht verkneifen.

Nisrin A. (29), die ihm genau gegenüber sitzt und das sah, sprach ihn sofort darauf an: "Warum lachen sie? Sie haben einen Unfall gebaut?" Sofort zuckte der als Todesfahrer Angeklagte zusammen und beteuerte, nicht gelacht zu haben. Und dann sagte er kleinlaut: "Ich entschuldige mich, dass sie das Kind verloren haben."

Titelfoto: Bildmontage: Roland Halkasch, privat

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