Prügel-Vorwürfe gegen Bundespolizistin: Was geschah auf dem Hunde-Übungsplatz?

Pirna (Sachsen) - Tierischer Prozess am Amtsgericht Pirna. Ausgerechnet auf dem Trainingsplatz für Diensthunde für die Bundespolizei soll Schäferhund "Stöpsel" misshandelt worden sein. Nun wehren sich Frauchen Annett F. (42) und Ausbilder Roy H. (47) gegen die verhängten Ordnungsgelder von insgesamt 800 Euro.

Annett F. (42) geht inzwischen mit Stöpsel auf Streife.
Annett F. (42) geht inzwischen mit Stöpsel auf Streife.  © Peter Schulze

"Ich habe 25 Jahre Hundesporterfahrung. So was hab ich selten gesehen!", wenn Mario M. (51) an jenen Dezembermittag 2018 zurückdenkt, kommt er sofort in Rage. "Die Frau ist doch völlig ausgerastet." 

Mario und seine Kollegen machten auf der benachbarten Baustelle gerade Mittag und verfolgten das Training des Polizeihundes in Ausbildung, das offenbar völlig aus dem Ruder lief.

Lehrwart Roy H. erklärte dem Richter: "Der Hund kam aus den Niederlanden. Dort werden sie so geschult, dass sie bei Schusswaffengebrauch aggressiv werden. Hier ist das andersrum. Die Tiere müssen ruhig bleiben." 

Doch Stöpsel war von Beginn an aggressiv, biss Frauchen Annett F. sogar in den Bauch, weshalb sie immer wieder trainierten. Wie auch an dem Tag.

"Ich schoss aus 80 Metern Entfernung mehrfach in die Luft. Der Hund sollte ruhig bleiben. Plötzlich wurde er wieder aggressiv", so Roy H.

Annett F. fügte hinzu: "Ich musste mich wehren und schlug ihn zweimal mit einem Hundespielzeug." Eine kleine Kautschuk-Stange, mit denen sonst Beiß- und Ziehspiele gemacht würden.

Schlug sie mit dem Gummiknüppel zu?

Roy H. (47) sieht sich zu Unrecht vor den Kadi gezogen.
Roy H. (47) sieht sich zu Unrecht vor den Kadi gezogen.  © Peter Schulze

Mario M. schüttelte den Kopf: "Absurd! Das war ein Gummiknüppel, und sie schlug immer wieder zu. Erst als ich zum Zaun lief und rief, hörten Sie auf. Mir erklärte man, wenn sie nicht erzogen werden, müssten sie eingeschläfert werden. Das geht doch so gar nicht."

Bemerkenswert: An dem Tag war auch ein anderer Polizist mit Hund auf dem Gelände. Der aber erinnerte sich im Zeugenstand an gar nichts mehr. 

Während die Kollegen von Mario M. bildhaft schilderten, wie ihr Kollege sich lautstark über die "Trainingsmethoden" beschwerte.

Und dann zauberte der Anwalt von Annett F. noch ein "Ass aus dem Ärmel": Es gäbe eine Ausbildungsordnung für Diensthunde. Die sei vom Innenministerium, unterliege zum Teil der Geheimhaltung. 

Diese Unterlagen forderte der Richter nun ein, um sie zu prüfen, bevor in diesem tierischen Fall ein Urteil fällt.

Bauarbeiter Mario M. (51) ist stocksauer. Seiner Meinung nach, wurde rüde mit dem Schäferhund umgegangen.
Bauarbeiter Mario M. (51) ist stocksauer. Seiner Meinung nach, wurde rüde mit dem Schäferhund umgegangen.  © Peter Schulze
Wurde Stöpsel böse verhauen? Diese Frage muss nun der Amtsrichter klären. (Symbolbild)
Wurde Stöpsel böse verhauen? Diese Frage muss nun der Amtsrichter klären. (Symbolbild)  © 123rf.com/Isselee Eric Philippe

Übrigens: "Stöpsel" ist inzwischen geprüfter Polizeihund und mit Frauchen Annett F. regelmäßig auf Streife in der Landeshauptstadt. 

Titelfoto: Montage: Peter Schulze (2), 123rf.com/Isselee Eric Philippe

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