Bewährung für sadistischen Stiefvater: Kinder mussten sogar Urin trinken

Dippoldiswalde - Wegen seiner sadistischen Erziehungsmethoden wurde Enrico H. (35) am Dienstag am Amtsgericht Dippoldiswalde verurteilt.

Enrico H. (35) misshandelte seine Stieftöchter., sie mussten u.a. Urin trinken und Erbrochenes essen.
Enrico H. (35) misshandelte seine Stieftöchter., sie mussten u.a. Urin trinken und Erbrochenes essen.  © Holm Helis

Der Tischler hatte seine drei Stieftöchter (damals sechs, neun und zwölf Jahre alt) massiv und widerlich misshandelt. Immer, wenn ihre Mutter, eine Altenpflegerin, auf Schicht war.

Laut Anklage mussten die Kinder unter anderem Chilisauce, Laminatreiniger, Urin oder ein Chlorgemisch trinken. Sie sollten sich gegenseitig schlagen, mussten Horrorfilme sehen.

Ihnen wurde Waschmittel über die Köpfe gekippt, sie wurden mit Drahtbürsten "gereinigt", mit Hundekot eingeschmiert oder sie mussten Erbrochenes essen.

Da Enrico (19 Vorstrafen) schwieg, die Kinder aber nicht vernommen werden sollten, wurde die Gutachterin über Stunden zur Glaubwürdigkeit der Kinder befragt.

Ergebnis: Gut ein Dutzend Vorfälle stufte sie als "reales Erleben" ein. Den Rest konnte sie nur deshalb nicht eindeutig verwerten, weil die Justiz Fehler gemacht hatte.

20 Monate Haft auf Bewährung für den Stiefvater

So wurden die Kinder, die nach Hinweisen aus der Schule ins Heim kamen, zwar damals richterlich, aber eben juristisch fehlerhaft vernommen, was das Gutachten der Expertin fast torpedierte!

Immerhin erklärte die Medizinerin, sie könne nicht erkennen, dass die Kinder bei der Schilderung aller anderen Vorfälle gelogen hätten.

Danach gab Enrico über seinen Anwalt zumindest die eindeutig nachgewiesen Fälle zu. Begründung: Er habe auch eine schlechte Kindheit gehabt.

Das Jugendschutzgericht verurteilte ihn zu 20 Monaten Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Weil sich das Verfahren hinzog, Enrico nicht einschlägig vorbestraft sei und zwei Monate in U-Haft saß. Dafür muss er noch 150 Stunden gemeinnützig arbeiten.

Titelfoto: Holm Helis

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