Sicherungsverwahrung für Dresdner Messer-Mörder? Psychiatrischer Gutachter mit klarer Meinung

Dresden - Der wegen Mordes angeklagten Abdullah A. H. H. (21) ist voll schuldfähig und könnte jeder Zeit wieder morden. Zu dem Schluss kam im Prozess am Hammerweg der psychiatrische Gutachter, Professor Norbert Leygraf (68). Der langjährige erfahrende Mediziner hatte den Syrer, der sich derzeit im Terrorgericht am Hammerweg verantworten muss, untersucht.

Der psychiatrische Gutachter Professor Norbert Leygraf (68) sagte vor Gericht aus.
Der psychiatrische Gutachter Professor Norbert Leygraf (68) sagte vor Gericht aus.  © Ove Landgraf

Im Gegensatz zur Anstaltspsychologin bescheinigt er dem Angeklagten eine durchschnittliche Intelligenz. Er habe bei allen Maßnahmen im Knast (Kunsttherapie, Psychologin, Gespräche mit dem Antiradikalisierungsnetzwerk) nur Kooperation vorgetäuscht. Er habe in den letzten drei Jahren in denen er in U-Haft und Haft (wegen IS-Unterstützung und Planung eines Anschlages) saß, immer ein Ziel vor Augen habt: "In den Dschihad zu ziehen oder hier Ungläubige zu töten", so der Experte.

Insofern sei dieser Täter auch nicht einem jugendlichen Angeklagten gleich zu stellen. Weil Abdullah A.H. H. erst 21 Jahre alt ist, könnte er theoretisch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Dagegen argumentierte Leygraf: "Sein Handeln ist nicht jugendbehaftet und sprunghaft, sondern auf erschreckende Weise gradlinig und zielstrebig."

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Abdullah habe durchgehend das Ziel verfolgt, diese Tat zu begehen und schaffte es, trotz engmaschiger Überwachung.

Im Rückblick agierte Abdullah sogar schon recht früh unter dem Gesichtspunkt der weiteren Radikalisierung. So habe er im ersten Gutachten, beim ersten Prozess, erklärt, er würde jetzt die deutschen Gesetze respektieren. "Schon das könnte als Versuch der Täuschung gewertet werden", sagte Leygraf.

Abdullah habe sich hier weiter radikalisiert ohne "Außenbestätigung". Er hatte ihm Knast zum Beispiel keine Fürsprecher, stand alleine da, hatte aber eine "enorme Stabilität".

Mörder hat "massive Angst vor der Hölle"

Abdullah A. H. H. (21, M.) gilt dem Gutachter nach als sehr gefährlich.
Abdullah A. H. H. (21, M.) gilt dem Gutachter nach als sehr gefährlich.  © Ove Landgraf

Als Grund für diese Radikalisierung und das Festhalten an extrem-islamistischen Vorstellungen machte Leygraf eine "massive Angst vor der Hölle" aus.

Abdullah war und ist der Meinung, so massiv in Sünde gelebt zu haben, dass er nur durch den Dschihad oder Anschläge dieser Hölle als Moslem entgehen könnte. Zu seinen Sünden zählte er, Situationen wie Frauen auf der Straße zu sehen, Alkohol zu trinken oder zu onanieren.

Versuche, ihn in der Haft von diesem Weg abzubringen, schlugen auf eine brutale Art fehl. Er beging den Anschlag in der Schloßstraße. Ob Abdullah A. H. H. künftig beeinflussbar ist, um von seiner Lebenseinstellung wegzukommen, ist freilich unklar.

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Eine Gefährlichkeit für weitere derartige Straftaten aber bescheinigte ihm der Gutachter ganz klar. Damit könnte neben einer Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung angeordnet werden.

Titelfoto: Montage: Ove Landgraf (2)

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