Tat dauerte keine zwei Minuten: Juwelierladen ausgeraubt

Dresden - Noch immer sucht die Sonderkommission "Epaulette" fieberhaft nach den Juwelendieben aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. Einbrecher hatten dort im vergangenen November 20 Schmuckstücke aus der Schatzkammer August des Starken geklaut (TAG24 berichtete).

Anatolij P. (41) soll laut Anklage einer der Juwelenräuber sein. 
Anatolij P. (41) soll laut Anklage einer der Juwelenräuber sein.  © Ove Landgraf

Nur 200 Meter vom berühmten Gewölbe entfernt, fand im März 2017 ein Raub im Juweliergeschäft Leicht statt. Laut Staatsanwalt war Anatolij P. (41) einer der Täter. Jetzt wird gegen den Koch aus Estland am Landgericht Dresden verhandelt.

Die Tat dauerte keine zwei Minuten. "Ein großer und ein kleiner Herr kamen in den Laden", berichtete Mitarbeiterin Anja H. (50), die damals mit ihrer Kollegin (38) in der Filiale war. 

"Einer zog sich den Schal vors Gesicht und drohte mit einer Waffe. Ich habe direkt in den Lauf gesehen."

Während die Frauen von einem Täter in Schach gehalten wurden, zerschlug Anatolij laut Anklage die Scheibe einer Vitrine, raffte teure Glashütte-Uhren und Einzelschmuckstücke. Darunter zwei Colliers für je 14.900 Euro. 

Insgesamt hatte die Beute einen Wert von 305.000 Euro. "Dann sprühte einer noch Reizgas in unsere Richtung und die Täter verschwanden", so Anja H.

Estland hat um Auslieferung gebeten

Am Tattag sicherten zahlreiche Polizisten am und im Geschäft Spuren. 
Am Tattag sicherten zahlreiche Polizisten am und im Geschäft Spuren.  © Roland Halkasch

Trotz sofortiger Großfahndung blieb der Fall lange unaufgeklärt. Bis irgendwann der mutmaßliche Komplize gefasst wurde. Bei ihm wurden Fotos gefunden, die auf den ersten Blick Urlaubsbilder sind. 

Allerdings: Überall, wo er fotografierte, gab es Überfälle... Gegen diesen Mittäter kann aber nicht mehr verhandelt werden, er ist inzwischen verstorben. 

Gegen Anatolij, der behauptet, nie in Dresden gewesen zu sein, wird aber nun verhandelt.

Übrigens: nur drei Monate nach dem Überfall in Dresden, raubte Anatolij mit anderen Tätern ein Nobeluhrengeschäft in Davos aus. Dort verschwanden 203 Zeitmesser im Wert von 1,4 Millionen Euro. 

Die Bande wurde wenige Tage später gefasst und Anatolij führte die Polizei zu dem Uhrenversteck. Dennoch kassierte er über drei Jahre Haft in der Schweiz und darf dort auch zehn Jahre nicht mehr einreisen. Im Herbst 2019 wurde er nach Dresden ausgeliefert, damit hier gegen ihn verhandelt werden kann. 

Wie auch immer der Prozess in Dresden ausgeht, Estland bat bereits um die Auslieferung von Anatolij in sein Heimatland. Dort muss er wegen bewaffnetem Drogenhandel noch mehr als vier Jahre absitzen... 

Titelfoto: Roland Halkasch, Ove Landgraf

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