Epileptiker rast auf Teplitzer Straße in Haltestelle: Prozess!

Dresden - Da waren wohl gleich mehrere Schutzengel am Start: Wider besseres Wissen setzte sich Mike H. (49) im Dezember ans Steuer seines Benz. Doch der Gerüstbauer erlitt einen epileptischen Anfall, raste an der Teplitzer Straße in eine Bushaltestelle. Wie durch ein Wunder gab es nur Leichtverletzte. Nun saß der Unfallfahrer vorm Amtsrichter in Dresden.

Die völlig zertrümmerte Bushaltestelle nach dem Unfall.
Die völlig zertrümmerte Bushaltestelle nach dem Unfall.  © Roland Halkasch

"Sie hätten erkennen können und müssen, dass Sie fahruntüchtig waren", warf der Oberstaatsanwalt dem Pirnaer vor.

Denn schon einen Tag vor dem Unfall erlitt Mike H. bereits zwei Krampfanfälle, kam immer in die Notaufnahme. Zwar rieten die Ärzte zu stationären Aufenthalten, aber Mike entließ sich auf eigene Gefahr selber.

Außerdem klärten die Mediziner ihn über seine bestehende Fahruntüchtigkeit auf. Doch der Familienvater schlug die Warnungen in den Wind.

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Und dann passierte es: Gegen Mittag fuhr er im S 320 stadtauswärts und erlitt einen erneuten Anfall. Völlig unkontrolliert trat Mike aufs Gas, raste in die Bushaltestelle.

Zwei dort wartende Männer erlitten Schnittverletzungen von umherschleuderndem Glas.

Der Benz wurde letztlich von der Hauswand gestoppt. Ein Notarzt kümmerte sich sofort um Fahrer Mike H.
Der Benz wurde letztlich von der Hauswand gestoppt. Ein Notarzt kümmerte sich sofort um Fahrer Mike H.  © Roland Halkasch

Angeklagter soll 7000 Euro zahlen, legt aber Einspruch ein

Mike H. (49) musste sich vorm Amtsrichter verantworten.
Mike H. (49) musste sich vorm Amtsrichter verantworten.  © Peter Schulze

Der Benz rammte noch gegen einen Telefonkasten, schrammte Hecke und Baum, blieb an einer Wand liegen. Totalschaden am Auto, Schaden an Baum, Haltestelle, Telefonkasten und Grünanlage: 30.000 Euro.

Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs sollte der geständige Mike H. per Strafbefehl 7000 Euro zahlen, legte Einspruch ein und bat im Prozess um Milde.

Seinen Job als Gerüstbauer in der Schweiz ist er los, eine Job-Perspektive hat er derzeit nicht. Der Richter hatte ein Einsehen und senkte das Strafgeld auf 3200 Euro.

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Außerdem bleibt der Führerschein noch weitere vier Monate eingezogen, ehe die Behörde darüber entscheidet, Mike H. die Erlaubnis wieder zu erteilen.

Titelfoto: Roland Halkasch/Peter Schulze

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