Weil er sie nicht durchlassen wollte: 80-Jährige fährt Polizisten dreimal an

Dresden - Und das mit 80 Jahren! Sigrid M. fuhr in der Dresdner Südvorstadt einen Polizisten an. Nun saß die Chevrolet-Fahrerin auf der Anklagebank im Amtsgericht Dresden.

Sigrid M. (80) fährt seit 1986 unfallfrei. Im Februar touchierte sie einen Polizisten.
Sigrid M. (80) fährt seit 1986 unfallfrei. Im Februar touchierte sie einen Polizisten.  © Peter Schulze

Im Februar kam Omi Sigrid vom Garten, wollte dabei wie immer von der Nürnberger Straße nach links in die Münchner Straße biegen. Aber: An dem Tag sperrte die Polizei die Straße, um den Autokorso der "Querdenker" abzusichern.

Lichtkegel auf der Straße, Polizeiautos mit Blaulicht wiesen darauf hin. Hauptmeister Jens M. (56) hatte an der Kreuzung alle Hände voll zu tun. "Ich bekam mit, dass trotzdem Fahrzeuge abbogen. Ich bin hin, um das zu unterbinden", so der Polizist, der sich vor den Chevrolet von Oma Sigrid stellte und bat, umzudrehen.

In Uniform, gelber Warnweste mit der Aufschrift POLIZEI und einer Polizeimütze. "Ich habe den nicht als Polizisten erkannt. Ich weiß gar nicht, wo er herkam. Außerdem hat er mich angebrüllt", sagte die Autofahrerin.

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"Natürlich wurde ich laut", konterte der Polizist. "Als sie mich das dritte Mal anfuhr, und ich drohte umzukippen ..."

Erst danach habe das Auto gewendet, sei davongefahren. Über Funk informierte der Beamte seine Kollegen. Und prompt verfolgten Bereitschaftspolizei und Hubschrauber den roten Kleinwagen.

"Als ich zu Hause ankam, war da die Polizei. Ich bin fast zusammengebrochen", so Sigrid erschüttert, die heftig den Kopf schüttelte, als der Richter fragte, ob sie ein "Sehproblem" hätte. "So viel Polizei kann man doch gar nicht übersehen", so der Jurist.

Gericht entscheidet: Sigrid (80) darf ihren Führerschein behalten

An jenem Tag sicherte die Polizei diesen Autokorso der "Querdenker" ab.
An jenem Tag sicherte die Polizei diesen Autokorso der "Querdenker" ab.  © Tino Plunert/dpa-Zentralbild/dpa

Weil die Witwe ein blütenweißes Straf- und Verkehrsregister hat, lenkte der Richter ein.

Gegen die Zahlung von 2000 Euro Schmerzensgeld an den Polizisten, der sechs Tage krank war, wird das Verfahren eingestellt, und Sigrid M. darf ihren Führerschein behalten.

Titelfoto: Montage: dpa/Tino Plunert, Peter Schulze

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