Zeugin von Messer-Mord in Dresden: "Tut mir leid, dass ich nur einem helfen konnte"

Dresden - Der Prozess um den Messer-Mord an der Schloßstraße in Dresden geht weiter: Am zweiten Verhandlungstag sagte eine Zeugin aus, die bei dem Angriff sofort zur Stelle war.

Der Angeklagte Abdullah A. H. H. (21) wird von Polizisten in den Gerichtssaal geführt.
Der Angeklagte Abdullah A. H. H. (21) wird von Polizisten in den Gerichtssaal geführt.  © Ove Landgraf

Im Hochsicherheitsgericht am Hammerweg wird gegen den radikalen Islamisten Abdullah A. H. H. (21) verhandelt, weil er im Oktober 2020 den Touristen Thomas L. mit einer Messerattacke tötete und dessen Lebensgefährten Oliver L. schwer verletzte.

Laut Generalbundesanwalt wollte der Syrer mit der Tat "Ungläubige bestrafen". Am zweiten Verhandlungstag am heutigen Freitag sagte Agata C. (34) aus, die mit ihrem beherzten Eingreifen Oliver L. das Leben rettete.

"Ich war mit meiner Freundin in Dresden zu Besuch", schilderte die Polin, die in Dänemark lebt. Die Frauen hatten was zu feiern: "Eine Woche später wollte ich heiraten. Wir saßen in einer Bar und unterhielten uns, wie aufgeregt ich bin."

Plötzlich habe die Freundin nach draußen gezeigt. "Sie sagte, 'Schau mal, da prügeln sich welche.' Doch ich sah das viele Blut auf der Hose des einen, hörte Hilferufe und rannte sofort nach draußen."

Agata schilderte, dass der Angreifer ein Messer wegwarf und davonlief. Dass ein Mann (Thomas L.) sich an den dortigen Bauzaun krampfhaft festhielt, dann aber zusammenbrach. Oliver L. schrie um Hilfe.

"Der hatte schwere tiefe Schnitte im Bein. Ich habe die Wunden nach Leibeskräften abgedrückt", so Agata C.

Richter lobt Zeugin: "Sie haben diesem Mann das Leben gerettet"

An diesem Ort an der Dresdner Schloßstraße griff Abdullah A. H. H. im Oktober 2020 Thomas L. und Oliver L. an.
An diesem Ort an der Dresdner Schloßstraße griff Abdullah A. H. H. im Oktober 2020 Thomas L. und Oliver L. an.  © Ove Landgraf

In der Zwischenzeit sammelten sich am Tatort andere Passanten. "Ich rief, sie sollen sich um den anderen, der ganz still war, kümmern", berichtete die 34-Jährige. "Aber keiner tat was. Es tut mir leid, dass ich nur einem helfen konnte."

Der Richter beruhigte und lobte die zierliche Frau. "Sie haben so viel getan und diesem Mann das Leben gerettet." Laut Gerichtsmediziner hätte wohl niemand mehr dem anderen Opfer helfen können. Thomas L. war tödlich von dem Angreifer verletzt worden.

Und Agata tat noch mehr: "Nach ein paar Minuten kam die Polizei. Ich habe einem Beamten gesagt, wo das Messer hingeworfen wurde." Tatsächlich konnte das Tatmesser sofort sichergestellt werden.

Am heutigen Freitag soll neben weiteren Zeugen auch der Überlebende des Anschlags, Oliver L., per Videovernehmung angehört werden.

Titelfoto: Ove Landgraf

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