Krankenkassen um Millionen Euro abgezockt: Apotheker legt Geständnis ab

Frankfurt am Main - Abrechnungsbetrügereien mit einem Millionen-Volumen werden ab dem heutigen Mittwoch (9 Uhr) einem Apotheker vor dem Landgericht Frankfurt vorgeworfen.

Der 45-Jährige soll bei den Krankenkassen manipulierte Rezepte über sehr hochpreisige Medikamente eingereicht haben, die aber nie ausgegeben wurden (Symbolbild).
Der 45-Jährige soll bei den Krankenkassen manipulierte Rezepte über sehr hochpreisige Medikamente eingereicht haben, die aber nie ausgegeben wurden (Symbolbild).  © 123RF/Evgenii Emelianov

Der 45-Jährige soll zwischen Januar 2010 und Dezember 2013 eine Vielzahl manipulierter Rezepte über sehr hochpreisige Medikamente bei den Krankenkassen zur Abrechnung eingereicht haben.

Allerdings hatte der Apotheker die entsprechenden Mittel zuvor gar nicht an Kunden ausgegeben, wie aus der mehr als 1100 Seiten umfassenden Anklageschrift hervorgeht.

So soll der Mann insgesamt rund zwei Millionen Euro zu Unrecht abgerechnet haben.

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Die Wirtschaftsstrafkammer hat in dem Verfahren zunächst sieben Verhandlungstage bis Mitte Juli terminiert.

Update, 18.03 Uhr: Geständnis im Prozess gegen Apotheker

Mit einem umfassenden Geständnis des angeklagten Apothekers hat am Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess um umfangreiche Abrechnungsbetrügereien zu Lasten der Krankenkassen begonnen.

Der 45 Jahre alte Angeklagte räumte vor Gericht ein, zwischen 2010 und 2013 in einer Vielzahl von Fällen Kunden Rezepte über teure Medikamente "abgekauft" und zum doppelten Wert bei den Krankenkassen zur Abrechnung eingereicht zu haben. Die Medikamente wurden in keinem Fall tatsächlich ausgehändigt.

Der Schaden beläuft sich nach Angaben des Gerichts netto auf rund zwei Millionen Euro - das ist der Schaden, der konkret Krankenkassen entstanden sein soll.

Das Volumen der insgesamt eingereichten Abrechnungen des Apothekers, die teils falsche Posten enthalten, beläuft sich auf rund zehn Millionen Euro.

Wegen der komplexen Gutachten zogen sich die Strafverfahren gegen den Apotheker sowie mehrere Kunden über Jahre hin.

Apotheker soll von Kunden zu Betrügereien aufgefordert worden sein

Während die Verfahren gegen zwei der Kunden infolge deren Erkrankung abgetrennt wurden, sagte der Apotheker, er habe die betrügerischen Strukturen bei der Übernahme der beiden Apotheken in der Frankfurter Innenstadt von seinen Vorgängern vorgefunden und sei von den Kunden aufgefordert worden, mit den Betrügereien weiter zu machen.

Mittlerweile aber habe er bereits mehr als 800.000 Euro des Schadens an die Krankenkassen zurückgezahlt und wolle auch den restlichen Schaden wiedergutmachen.

Durch das Geständnis könnte es zu einer erheblichen Verkürzung des ursprünglich bis Mitte Juli terminierten Prozesses kommen.

Titelfoto: 123RF/Evgenii Emelianov

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