Mädchen (6) stirbt an Pilzvergiftung: Haben Ärzte fahrlässig gehandelt?

Frankfurt am Main - Das eigene Kind zu Grabe zu tragen, ist wohl das Schrecklichste, das Eltern in ihrem Leben durchmachen können. Aufgrund einer Pilzvergiftung starb im Jahr 2018 ein sechsjähriges Mädchen, die behandelnden Ärzte hätten dies verhindern können.

Die Sechsjährige starb während ihrer zweiten Lebertransplantation (Symbolbild).
Die Sechsjährige starb während ihrer zweiten Lebertransplantation (Symbolbild).  © 123rf/Siam Pukkato

So lautet zumindest der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Frankfurt, die nun Anklage gegen den Hausarzt und eine Ärztin des Universitätsklinikums Frankfurt vor dem Landgericht erhob - in einem Fall wegen fahrlässiger Tötung, in drei Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Doch was war passiert? Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, seien der Vater des später verstorbenen Mädchens mit ihr und ihren beiden Schwestern (12 und 10 Jahre alt) bei deren Hausarzt aufgeschlagen. Seit dem Vortag hatten sie über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall geklagt.

Ein Gericht aus selbst gesammelten Pilzen soll eigener Einschätzung nach die Ursache gewesen sein. 

Wie die Polizei später herausfand, sollen Grüne Knollenblätterpilze im Gericht enthalten gewesen sein, die stark leberschädigend wirken. Doch der Hausarzt verzichtete laut Anklage auf eine körperliche Untersuchung. 

Zwar soll er eine Pilzvergiftung diagnostiziert haben, jedoch lediglich Medikamente gegen Übelkeit verschrieben und die Familie wieder nach Hause geschickt haben. Da sich die Symptome verschlimmerten, suchten alle vier die Uniklinik auf. Die dort zuständige Anästhesistin bestätigte die Diagnose des Hausarztes, nimmt die vier Kranken jedoch nicht stationär auf. 

Schon einen Tag später kommt es faustdick: Der Vater und seine drei Töchter kommen mit akuten Leberschäden und in Lebensgefahr schwebend in verschiedene Krankenhäuser. Die jüngste Tochter erwischte es am schlimmsten. Ihre Leber wurde so stark geschädigt, dass eine Lebertransplantation unausweichlich wurde.

Sechsjährige stirbt während zweiter Lebertransplantation

Wenige Monate später versagt die Spendeleber jedoch, eine weitere Transplantation wird durchgeführt. Doch der kleine Körper ist mittlerweile zu geschwächt, das Mädchen stirbt im Jahr 2018 im Verlauf der OP.

Es wird Stand jetzt davon ausgegangen, dass der Verlauf und die Symptome der Erkrankung - vor allem bei der jüngsten Tochter - hätten drastisch abgemildert werden können, hätten die Ärzte eine intensivere Untersuchung angeordnet.

Ein genauer Termin für die Verhandlungen vor dem Frankfurter Landgericht steht noch aus.

Titelfoto: 123rf/Siam Pukkato

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