Heftiger Eklat nach Wiederauftakt im Mordprozess Walter Lübcke

Frankfurt am Main - Nach dreiwöchiger Sommerpause ist es im Prozess um den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke am Montag zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen dem Vorsitzenden Richter und einem der Verteidiger gekommen. 

Der Hauptangeklagte im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst (M.), spricht im Oberlandesgericht mit seinen Anwälten Mustafa Kaplan (l.) und Frank Hannig.
Der Hauptangeklagte im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst (M.), spricht im Oberlandesgericht mit seinen Anwälten Mustafa Kaplan (l.) und Frank Hannig.  © Thomas Kienzle/AFP-Pool/dpa

Wie die Bild-Zeitung berichtet, könnte daraufhin nun auch die Entpflichtung von Frank Hannig, einem der beiden Anwälte des wegen Mordes angeklagten Stephan Ernst, folgen. Grund für den Eklat waren mehrere Anträge Hannigs, vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt

Er wollte unter anderem einen Einbruch im Kasseler Regierungspräsidium kurz vor dem Tod Lübckes im vergangenen Juni untersuchen und die Funkzellendaten zweier Zeugen prüfen lassen, die womöglich ebenfalls am Tatort gewesen seien.

Als Hannig auf Nachfrage des Gerichts einräumte, die Anträge seien nicht mit seinem Mandanten abgesprochen, bezeichnete sich der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel als "einigermaßen sprachlos". "Wenn ich solche Anträge bekomme, muss ich mir Gedanken machen, ob der Angeklagte eine wirksame Verteidigung hat", sagte er. 

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Ernsts zweiter Verteidiger, der Kölner Anwalt Mustafa Kaplan, distanzierte sich auch im Namen seines Mandanten ausdrücklich von den gestellten Anträgen. Das Gericht entschloss sich daher zu einer halbstündigen Pause, damit Kaplan mit seinem Mandanten über das weitere Vorgehen beraten könne.

In dieser soll Kaplan seinem Mandanten die Entpflichtung Hannigs empfohlen haben, der dieser beigepflichtet haben soll. Eine Entscheidung hierüber soll am Montagnachmittag fallen. Hannig selbst gilt als umstrittene Persönlichkeit. 

Der Dresdner Advokat half unter anderem der Stasi und PEGIDA, verklagte die Kanzlerin, arbeitete und zerstritt sich mit MDR-Moderator Peter Escher (66) und stand selbst schon als Angeklagter vor Gericht (TAG24 berichtete). Politisch ist er aktuell als Dresdner Stadtrat aktiv.

In dem Prozess wirft die Anklage Ernst vor, aus rechtsextremistischen Motiven heraus die Tat begangen zu haben. Lübcke war seit dem Jahr 2015 wegen seines Einsatzes für Flüchtlinge wiederholt bedroht worden. 

Dem ebenfalls angeklagten Markus H. wirft der Generalbundesanwalt Beihilfe zum Mord vor.

Update, 14.05 Uhr: Stephan Ernst beantragt Entpflichtung seines Verteidigers

Im Lübcke-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst am Montag die Abberufung seines Pflichtverteidigers Frank Hannig beantragt.

Das Vertrauensverhältnis sei "auf Dauer zerstört" sagte der zweite Verteidiger Mustafa Kaplan am Montag. Hannig sah trotz unterschiedlicher Verteidigungsstrategien der beiden Anwälte eine Entpflichtung nicht gerechtfertigt. Er verwies darauf, dass er seit einem Jahr mit der Verfahren befasst sei.

Ernst selber bestätigte auf Nachfrage des Richters ausdrücklich, dass er sich von Hannig als Verteidiger trennen wolle.

Titelfoto: Thomas Kienzle/AFP-Pool/dpa

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