In Mund und in den Kopf geschossen: Wollte Senior (80) seine demenzkranke Frau töten?

Saarbrücken - Wegen versuchten Totschlags an seiner an Demenz leidenden Ehefrau steht ab dem heutigen Montag (9 Uhr) ein 80-Jähriger vor dem Landgericht Saarbrücken.

Der 80-Jährige soll seine demenzkranke Frau in der Ausfahrt des SHG-Klinikums in Merzig mit einer Schreckschusspistole zweimal angeschossen haben (Symbolfoto).
Der 80-Jährige soll seine demenzkranke Frau in der Ausfahrt des SHG-Klinikums in Merzig mit einer Schreckschusspistole zweimal angeschossen haben (Symbolfoto).  © 123RF/Katarzyna Białasiewicz

Das Ehepaar befand sich am 14. September 2020 in der Ausfahrt im SHG-Klinikum in Merzig, weil die 77-Jährige in eine andere Einrichtung verlegt werden sollte.

Als der Mann mit ihr alleine war, soll er seiner 77 Jahre alten Ehefrau mit einer Schreckschusspistole einen Schuss in den Mund und einen zweiten Schuss auf das linke Ohr versetzt haben.

Da die Schüsse nicht tödlich waren und weitere Schüsse den Tod nicht hätten herbeiführen können, soll er laut Landgericht juristisch gesehen von seinem Vorhaben abgelassen haben.

Nach Angaben einer Gerichtssprecherin ist Montag bisher als einziger Prozesstag vorgesehen, sodass dann auch schon ein Urteil fallen dürfte (Az.: 1 Ks 36 Js 1602/20 (18/20)).

Update, 14.09 Uhr: Bewährungsstrafe für versuchten Totschlag an demenzkranker Ehefrau

Weil er seine an Demenz leidende Ehefrau auf ihren Wunsch hin töten wollte, ist ein 80-Jähriger am Montag vom Landgericht Saarbrücken zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte 18 Monate Bewährungsstrafe für tat- und schuldangemessen gehalten. Das Gericht verurteilte den Mann wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Die Kammer ging nach dem Gutachten einer Psychiaterin davon aus, dass die Steuerungsfähigkeit des Deutschen bei der Tat "erheblich gemindert" gewesen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil sich alle Beteiligten im Vorfeld auf eine Verständigung geeinigt hatten.

Der Angeklagte hatte den Vorfall unter Tränen geschildert und die Vorwürfe gestanden. Demnach hat die Frau aus Angst vor der Unterbringung in einer geschlossenen Pflegeeinrichtung den Mann darum gebeten, getötet zu werden.

Danach habe er sich selbst umbringen wollen.

Titelfoto: 123RF/Katarzyna Białasiewicz

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