Fünffacher Mord? Prozess gegen falsche Anästhesistin beginnt

Kassel/Fritzlar - Wegen mehrfachen Mordes steht von heute an (9 Uhr) eine mutmaßliche falsche Ärztin vor dem Landgericht Kassel.

Im Hospital zu Heiligengeist in Fritzlar war die Frau zwischen 2015 und 2018 als Anästhesistin angestellt.
Im Hospital zu Heiligengeist in Fritzlar war die Frau zwischen 2015 und 2018 als Anästhesistin angestellt.  © dpa/Uwe Zucchi

Die 50-Jährige soll sich ohne entsprechende Ausbildung als Medizinerin ausgegeben und in einer nordhessischen Klinik als Anästhesistin Menschen betäubt haben.

Laut Staatsanwaltschaft starben durch Behandlungsfehler fünf Patienten, weitere erlitten Folgeschäden (TAG24 berichtete).

Die Staatsanwaltschaft wirft der Deutschen unter anderem Mord in fünf Fällen in Tateinheit mit unerlaubter Ausübung der Heilkunde und versuchten Mord in elf Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Urkundenfälschung vor.

Laut Anklage dauerte die kriminelle Karriere der mutmaßlichen Hochstaplerin Jahre: Zwischen 2015 und 2018 war sie im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) beschäftigt.

Und selbst nach den Todesfällen soll sie sich in einer Klinik in Schleswig-Holstein noch eine Anstellung im Reha-Bereich erschlichen haben.

Die Frau flog aber bei einem Mitgliedschafts-Wechsel der Ärztekammer auf und stellte daraufhin Selbstanzeige, um Anzeigen zuvorzukommen.

Für den Prozess sind zunächst 13 Verhandlungstage bis Ende März angesetzt. Zunächst sollen ein Zeuge und ein Sachverständiger gehört werden.

Update, 16.40 Uhr: Angeklagte schweigt und lässt Verteidiger Erklärung verlesen

Die 50-jährige Angeklagte sagte zu den Vorwürfen am Mittwoch vor Gericht nichts. Ihr Verteidiger verlas eine Erklärung.

Darin räumte er ein: Die Beweisaufnahme werde ergeben, das seine Mandantin als falsche Ärztin tätig gewesen, dass ihr Berufsleben in Teilen auf Hochstapelei zurückzuführen sei.

Den Mordvorwurf wies der Verteidiger zurück. Ein Tötungsvorsatz liege nicht vor. Die Frau habe darauf vertraut, dass die Patienten nicht verletzt würden, und sie habe keinen Anlass gehabt, an eigenen Fähigkeiten zu zweifeln. Sie sei an der erfolgreichen Betäubung von 500 Patienten beteiligt gewesen.

Für den Prozess in Kassel sind 12 weitere Verhandlungstage bis Ende März angesetzt.

Titelfoto: dpa/Uwe Zucchi

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