Mordfall Lübcke: Angeklagter Stephan Ernst angeblich nicht verhandlungsfähig

Frankfurt am Main - Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (TAG24 berichtete) sollte am Donnerstag ein psychiatrischer Sachverständiger aussagen.

Das Foto vom 16. November zeigt Stephan Ernst, den Hauptangeklagten im Prozess um den Mordfall Walter Lücke.
Das Foto vom 16. November zeigt Stephan Ernst, den Hauptangeklagten im Prozess um den Mordfall Walter Lücke.  © Ronald Wittek/epa/Pool/dpa

Er hat das psychiatrische Gutachten über den mutmaßlichen Mörder Lübckes erstellt.

Zu Beginn des Prozesstages war jedoch zunächst ungewiss, ob die Verhandlung am Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt stattfinden könnte: Der Angeklagte Stephan Ernst klagte nach Angaben seines Anwalts über Kopfschmerzen und bezeichnete sich als nicht verhandlungsfähig.

Die vom Gericht vorgeschlagene medizinische Untersuchung durch den Gutachter, der auch Arzt ist, lehnte er allerdings ab.

Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel wiederum wies den Vorschlag zurück, einen Notarzt zu rufen. Die Verhandlung wurde für eine Beratung zwischen Ernst und seinem Verteidiger kurz unterbrochen.

Im Prozess beim Staatsschutzsenat des OLG muss sich der 47 Jahre alte Deutsche Stephan Ernst wegen Mordes verantworten. Er soll Lübcke im Juni 2019 auf der Terrasse von dessen Wohnhaus erschossen haben (TAG24 berichtete).

Außerdem ist Ernsts früherer Arbeitskollege Markus H. wegen Beihilfe angeklagt. Er soll Ernst politisch beeinflusst haben. Die Bundesanwaltschaft geht von einem rechtsextremistischen Motiv für die Tat aus. Das Gericht hatte im Oktober den Haftbefehl gegen H. aufgehoben.

Update, 15.02 Uhr: Gutachter hält Angeklagten im Lübcke-Prozess für schuldfähig

Stephan Ernst, der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, ist nach Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen Norbert Leygraf schuldfähig.

In den Gesprächen mit dem Angeklagten Stephan Ernst habe er keine Hinweise auf entsprechende Störungen, eine "forensisch relevante Minderbegabung" oder Einflüsse durch Suchtmittel festgestellt, sagte der Experte am Donnerstag bei der Vorstellung seines Gutachtens vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt. Auch Hinweise auf eine Bewusstseinsstörung lägen nicht vor.

Er gehe davon aus, dass Ernst weitere vergleichbare schwere Straftaten begehe, wenn er die Möglichkeit dazu habe.

Titelfoto: Ronald Wittek/epa/Pool/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Frankfurt am Main:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0