Drei Geschwister ertrinken in Dorfteich: Neue Ermittlungen wegen Falsch-Aussagen

Neukirchen/Marburg - Nach dem Ertrinken von drei Geschwistern in einem Dorfteich im nordhessischen Neukirchen und der Verurteilung des Bürgermeisters wegen fahrlässiger Tötung (TAG24 berichtete) ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen Falschaussage. Dabei geht es um eine Risiko-Analyse, die während des Prozesses verschwiegen worden sein soll.

In diesem Teich waren die drei Geschwister im Sommer 2016 ertrunken.
In diesem Teich waren die drei Geschwister im Sommer 2016 ertrunken.  © dpa/Uwe Zucchi

Das Schreiben von einer Versicherung an die Stadt war bei einer Durchsuchung gefunden worden. In dem Schriftstück aus dem Jahr 2014 wird die Teichanlage als gefährlich eingestuft und eine Einzäunung empfohlen.

Es bestehe der Verdacht, dass mehrere Personen davon Kenntnis hatten, teilte die Staatsanwaltschaft Marburg am Mittwoch mit.

Sie sollen dies aber trotz Nachfrage im Prozess bewusst verschwiegen haben, um den Bürgermeister zu schützen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage und versuchter Strafvereitelung.

Deswegen wurden am Mittwoch acht Geschäftsräume und Wohnungen durchsucht. Die Ermittlungen richten sich gegen sechs Beschuldigte im Alter von 32 bis 77 Jahren, wie die Behörde mitteilte.

Die Tatverdächtigen sollen im Januar und Februar im Prozess vor dem Amtsgericht Schwalmstadt als Zeugen falsch ausgesagt und damit versucht haben, eine Verurteilung zu vereiteln. Ein Tatverdächtiger soll die Zeugen dazu angestiftet haben.

Bürgermeister Olbrich war im Februar wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden

Klemes Olbrich hatte wie auch die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil Berufung eingelegt.
Klemes Olbrich hatte wie auch die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil Berufung eingelegt.  © dpa/Uwe Zucchi

Karl-Christian Schelzke, der Anwalt des Bürgermeisters, sagte am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Mir ist ein solches Schreiben nicht bekannt."

Weitere Angaben wollte er zunächst nicht machen, bevor er mit seinem Mandanten gesprochen habe. Der Bürgermeister von Neukirchen, Klemens Olbrich (CDU), war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Olbrich wurde im Februar wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe unter Vorbehalt verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft haben Berufung eingelegt (TAG24 berichtete).

Im Sommer 2016 waren drei Geschwister (5, 8 und 9 Jahre alt) in dem Teich im Neukirchener Ortsteil Seigertshausen ertrunken.

Das Gericht befand: Der Bürgermeister habe die Verkehrssicherungspflicht für den Teich verletzt. Die Wasserstelle habe erhebliches Gefahren-Potenzial aufgewiesen.

Nach Ansicht der Anklage hätte Olbrich den bis zu knapp zwei Meter tiefen Teich absichern müssen. Erst nach dem Prozess ließ die Stadt den Teich teilweise einzäunen (TAG24 berichtete).

Titelfoto: dpa/Uwe Zucchi

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