Polizisten sagen aus im "NSU 2.0"-Prozess: Unterstützten Kollegen den Täter?

Frankfurt am Main – Im Prozess um die "NSU 2.0"-Drohschreiben hat das Frankfurter Landgericht weiter versucht aufzuklären, wer die für die Faxe und Mails verwendeten persönlichen Daten bei der Polizei abgefragt hat.

Alexander M. vor dem Landgericht Frankfurt: Am Donnerstag wurde erneut versucht aufzuklären, wie der Angeklagte an die für seine Drohschreiben genutzten privaten Daten kam.
Alexander M. vor dem Landgericht Frankfurt: Am Donnerstag wurde erneut versucht aufzuklären, wie der Angeklagte an die für seine Drohschreiben genutzten privaten Daten kam.  © pa/dpa-Pool/Boris Rössler

Zwei Polizisten sagten am Donnerstag als Zeugen, sie hätten von dem Vorgang nichts mitbekommen. Die Beamten arbeiteten im August 2018 am 1. Frankfurter Polizeirevier, wo die Daten der Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz (46) und ihrer Familie abgefragt wurden, kurz bevor bei ihr das erste Drohschreiben einging.

Angeklagt ist der aus Berlin stammende Alexander M., ihm wird Beleidigung in 67 Fällen, versuchte Nötigung und Bedrohung zur Last gelegt. Er könnte sich mit einem Anruf auf dem Polizeirevier unter Vorspiegelung einer falschen Identität die Daten verschafft haben.

Die Nebenklagevertretung von Basay-Yildiz geht allerdings davon aus, dass das erste Droh-Fax vom 2. August 2018 nicht vom Angeklagten, sondern von einem Polizisten des Reviers geschrieben wurde.

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Im Zuge der Ermittlungen flog ein Chat mit rechtsextremen Posts auf, an dem Polizisten des Frankfurter Reviers beteiligt gewesen sein sollen. Erst kürzlich wurden deshalb Anklagen erhoben.

Die am Donnerstag befragten Beamten erklärten als Zeugen zunächst, sie hätten von einer rechten Gesinnung ihrer Kollegen nichts mitbekommen. An Chats seien sie beteiligt gewesen. Dort sei auch "der eine oder andere Witz" gepostet worden, der "dezent daneben gewesen" sei, räumte ein 37 Jahre alter Beamter ein. So habe es antisemitische Anspielungen gegeben.

Die Serie der Drohschreiben hatte im August 2018 mit Todesdrohungen gegen Basay-Yildiz und ihre Familie begonnen. Die Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet in Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).

Titelfoto: dpa/dpa-Pool/Boris Rössler

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