Geständnis-Wirrwarr im Mordfall Lübcke: Ex-Anwalt von Stephan Ernst sagt aus

Frankfurt am Main - Im Prozess um den Mordfall Lübcke hat ein weiterer ehemaliger Verteidiger des Hauptangeklagten zur Frage ausgesagt, wie dessen widersprüchliche Aussagen zur Tat zustande gekommen sind. 

Der Hauptangeklagte Stephan Ernst (r.) spricht mit seinem Anwalt Mustafa Kaplan.
Der Hauptangeklagte Stephan Ernst (r.) spricht mit seinem Anwalt Mustafa Kaplan.  © Thomas Kienzle/AFP-Pool/dpa

Der Jurist aus Kassel sagte am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main, die ersten beiden Geständnisse gingen auf die Beratung verschiedener Anwälte zurück.

Ernst soll im Juni 2019 aus rechtsextremistischen Motiven Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke erschossen haben. In einem ersten Geständnis nach seiner Verhaftung räumte er die Tat ein. In einem zweiten bezeichnete er dann den Mitangeklagten Markus H. als Schützen. In einem dritten Geständnis vor Gericht räumte er die Tat ein, belastete aber auch H., der ihn begleitet habe.

Ernsts aktueller Pflichtverteidiger Mustafa Kaplan hatte am Montag ausgesagt, der frühere Verteidiger Frank Hannig habe ihm gegenüber erklärt, sich Teile des zweiten Geständnisses ausgedacht zu haben. 

Der Kasseler Anwalt, der am Donnerstag vom Gericht befragt wurde, sprach in seiner Aussage davon, ihm gegenüber habe Hannig einen "Knaller" angekündigt. Er selbst habe Ernst als damaliger zweiter Verteidiger dringend abgeraten, sich erneut zu äußern. 

Ende Juli hatte sich Ernst wegen Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses von Hannig getrennt. Auch Ernsts erstes Geständnis war am Donnerstag Thema. Zur Frage, ob sein damaliger Verteidiger eine Gegenleistung in Aussicht gestellt hatte, wenn Ernst die alleinige Schuld auf sich nimmt, konnte der Zeuge aber nichts sagen.

Zudem sagten zwei Sachverständige des Bundeskriminalamts (BKA) aus, die die Tatwaffe, Munition und Schmauchspuren des Schusses untersucht haben. Demnach sei davon auszugehen, dass Lübcke aus einer Entfernung von 1 bis 1,5 Metern erschossen worden sei, sagte ein kriminaltechnischer Sachverständiger. 

Laut Gutachter "keine Hinweise auf einen absoluten Nahschuss"

Dies legten unter anderem Testschüsse mit einem ähnlichen Revolver nahe, wie er bei der Tat verwendet worden sei. Es gebe "keine Hinweise auf einen absoluten Nahschuss", sagte der Gutachter. Auch im Auto Stephan Ernsts wurden seiner Aussage zufolge Schmauchspuren entdeckt - auf dem Lenkrad und auf Decken aus dem Kofferraum. Wann und wie diese dort hingelangten und woher sie stammten, sei aber unklar. 

Beim BKA wurde zudem untersucht, ob die Tatwaffe bei anderen bisher unaufgeklärten Straftaten zum Einsatz gekommen sei. Dies sei nicht der Fall, sagte der andere Gutachter.

Titelfoto: Thomas Kienzle/AFP-Pool/dpa

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