Weil er Fotos von Ex-Freundin ohne Kopftuch verschickte: Mann mit Teppichmesser attackiert

Rüsselsheim/Mannheim - Das Landgericht Mannheim hat sein Urteil im Fall eines versuchten Mordes aus gekränkter Ehre wegen eines neuen Beweisantrags verschoben.

Der Mann wurde mit einem Teppichmesser angegriffen (Symbolfoto).
Der Mann wurde mit einem Teppichmesser angegriffen (Symbolfoto).  © Andreas Arnold/dpa

Unmittelbar vor der Verhandlung am Donnerstagmorgen hatte die Verteidigung des 25-jährigen Angeklagten aus Rüsselsheim die Vernehmung der Schwester des Opfers verlangt.

Den Anwälten geht es um die Umstände eines Anrufs, den das Opfer bei einer Aussprache mit dem angeklagten Halbbruder seiner Ex-Freundin im Sommer 2019 erhalten hatte. 

Im Augenblick der Annahme des Telefonats soll der Beschuldigte den sich abwendenden 38-jährigen Ex-Partner seiner Halbschwester mit einem Teppichmesser angegriffen haben. 

Der Anruf kam vom Neffen des Opfers auf Geheiß von dessen Mutter - also der Schwester des Geschädigten. Der Neffe hatte angegeben, er habe seinen Onkel warnen sollen. Da dessen Schwester am Donnerstag als Zeugin nicht befragt werden konnte, wurde sie für kommenden Montag geladen.

Der Mann schickte Fotos von seiner Ex-Freundin ohne Kopftuch an deren Familie

Der Fall wird vor dem Landgericht Mannheim verhandelt (Symbolfoto).
Der Fall wird vor dem Landgericht Mannheim verhandelt (Symbolfoto).  © Uwe Anspach/dpa

Der 25-Jährige, der nach eigenen Angaben aus Jordanien stammt, hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft versucht, den 38-Jährigen umzubringen. 

Grund: Der Mann hatte Fotos seiner Ex-Freundin an deren streng gläubige Verwandtschaft in Jordanien geschickt. Da die Frau ohne Kopftuch und im T-Shirt aufgenommen worden war, fühlten sich die Angehörigen in ihrer Ehre gekränkt.

Auch der in Deutschland lebende Halbbruder der 27-Jährigen meinte, die Familienehre wieder herstellen zu müssen - mit der Attacke gegen den 38-Jährigen, wie die Staatsanwaltschaft es darstellt. Der lebensgefährlich Verletzte konnte wegen des Eingreifens einer Spaziergängerin entfliehen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte, den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten zu verurteilen.

Die Verteidigung plädierte darauf, den bereits wegen einer Körperverletzung Vorbestraften der gefährlichen Körperverletzung schuldig zu sprechen und eine milde Strafe zu verhängen.

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

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