Prozess um 113-Millionen-Euro-Cum-Ex-Deals: Hauptbeschuldigter Hanno Berger bleibt fern

Wiesbaden - In einem der größten Steuerskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte hat am Landgericht Wiesbaden der Prozess zur Aufarbeitung von "Cum-Ex"-Aktiendeals begonnen.

Am Donnerstag begann vor dem Landgericht Wiesbaden der Prozess zur Aufarbeitung des "Cum-Ex"-Aktiendeals, eines der größten Steuerskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Am Donnerstag begann vor dem Landgericht Wiesbaden der Prozess zur Aufarbeitung des "Cum-Ex"-Aktiendeals, eines der größten Steuerskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte.  © dpa/Boris Rössler

Die Justiz verhandelt seit Donnerstag über die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank.

Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Steuerberater Hanno Berger, der als Architekt der Cum-Ex-Geschäfte zu Lasten der Staatskasse gilt, wird dagegen abgetrennt, wie das Gericht erklärte.

Gegen Berger, der in der Schweiz lebt, liegt ein Haftbefehl des Landgerichts Wiesbaden vor. Er erschien nicht zum Prozess.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft den Angeklagten um Berger und weiteren Männer Steuerhinterziehung mithilfe eines komplexen Systems vor.

Dabei seien zwischen 2006 und 2008 über die Hypo-Vereinsbank Dax-Aktien im Volumen von mehr als 15 Milliarden Euro gehandelt worden.

Die Männer hätten systematisch darauf gezielt, sich mit falschen Bescheinigungen Kapitalertragsteuern erstatten zu lassen, die gar nicht gezahlt worden waren.

Die unberechtigt erlangten Gelder bezifferte die Staatsanwaltschaft auf 113 Millionen Euro. Berger, der die Vorwürfe abstreitet, sei die "treibende" Kraft gewesen. Er beriet auch andere Geldhäuser bei Cum-Ex-Deals.

Für schwere Steuerhinterziehung drohen bis zu zehn Jahre Haft. Das Oberlandesgericht Frankfurt wertet Cum-Ex-Geschäfte aber auch als gewerbsmäßigen Bandenbetrug, wie die Justiz Mitte März mitteilte.

Der Hauptbeschuldigte im "Cum-Ex"-Prozess hat sich in die Schweiz abgesetzt

Kai Schaffelhuber, Rechtsanwalt des Hauptbeschuldigten Hanno Berger, steht vor dem Gerichtsgebäude und spricht mit Journalisten.
Kai Schaffelhuber, Rechtsanwalt des Hauptbeschuldigten Hanno Berger, steht vor dem Gerichtsgebäude und spricht mit Journalisten.  © dpa/Boris Rössler

Die erlangten 113 Millionen Euro seien nach einer vereinbarten Quote unter den Bandenmitgliedern aufgeteilt worden. Bergers Umzug in die Schweiz sieht die Justiz als Flucht: Er habe offenbar gewusst, dass die Schweiz wegen Steuerdelikten nicht nach Deutschland ausliefere.

"Eine Auslieferung nach Deutschland kommt nicht in Betracht", sagte Bergers Anwalt Kai Schaffelhuber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dafür sei entscheidend, wie die Schweiz die Sachlage einschätze.

In Wiesbaden sei Berger nicht erschienen, da er nicht ordnungsgemäß geladen worden sei. Sein Verteidiger Sebastian Gaßmann ergänzte, schon die Androhung von Zwangsmaßen verletze die Souveränität der Schweiz. Zudem sei Berger "hospitalisiert", sagte Gaßmann mit Blick auf Bergers Gesundheit.

Die Verteidiger der beiden Ex-Banker der Hypo-Vereinsbank erklärten, ihre Mandanten seien lediglich mit ausführenden Tätigkeiten betraut gewesen, nicht mit strategischen. An der Integrität von Berger und seiner Expertise hätten sie nicht zweifeln können.

Mehrere Gerichte und Staatsanwaltschaften - vor allem in Frankfurt und Köln - arbeiten den Cum-Ex-Skandal seit Jahren auf. Im März 2020 wurden zwei britische Aktienhändler am Landgericht Bonn zu Bewährungsstrafen verurteilt. Es war das erste Mal, dass Cum-Ex-Geschäfte als Straftat gewertet wurden.

Noch immer gibt es neue Ermittlungen: Erst diese Woche ließ die Staatsanwaltschaft Frankfurt bei einer Razzia Wohnungen und Geschäftsräume durchsuchen (TAG24 berichtete).

Der Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende Gerhard Schick, forderte Konsequenzen für Berger. "Er darf sich den deutschen Behörden durch seinen Aufenthalt in der Schweiz nicht länger entziehen können."

Es werde nun seit acht Jahren zu Cum-Ex in Deutschland ermittelt. "Zeit, dass erste Personen wegen ihrer Vergehen hinter Gitter landen."

Titelfoto: dpa/Boris Rössler

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