Brasilianer in Deutschland ermordet? Urteil im Todes-Rätsel um Matheus A. (†28) erwartet

Hamburg – Der Angeklagte soll den 28-jährigen Matheus A. unter Drogen gesetzt haben, um ihn zum Sex zwingen zu können. Der junge Mann überlebte nicht. Seit Sommer vergangenen Jahres muss sich ein 46-Jährige vor dem Landgericht Hamburg wegen Mordes verantworten. Ein Urteil rückt nun näher.

Der Angeklagte sitzt im Saal des Landgerichts neben seinem Anwalt Jan Langhans.
Der Angeklagte sitzt im Saal des Landgerichts neben seinem Anwalt Jan Langhans.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Am Donnerstag wollen Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreter ihre Plädoyers vor dem Landgericht halten, am 16. März ist nach bisheriger Planung die Verteidigung dran - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das Urteil könnte nach Angaben des Gerichts voraussichtlich am 18. März fallen. Eine Sachverständige sah keine wesentlichen Einschränkungen der Schuldfähigkeit des Angeklagten.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll der 46-Jährige dem 28-Jährigen nach einer Geburtstagsparty im September 2019 ein Getränk mit einer potenziell tödlichen Dosis einer Ecstasy-Amphetamin-Mischung verabreicht haben, um ihn zu betäuben.

Doch bei der versuchten sexuellen Nötigung im Schlafzimmer habe sich der Mann noch wehren können und geschrien. Aus Furcht vor Entdeckung habe der Angeklagte mit Gewalt reagiert. Der 28-Jährige starb laut Anklage kurze Zeit später - entweder an einer Drogen-Überdosis oder körperlicher Gewalt.

Mehrere Menschen meldeten ihn Ende September als vermisst. Doch erst vier Monate später fanden die Ermittler die stark verweste Leiche in der Wohnung des Angeklagten (TAG24 berichtete). Sie lag im Gästezimmer unter einer Matratze, war mit Sand bedeckt und mit Säcken umhüllt.

Krankenpfleger soll weiteren jungen Mann missbraucht haben

In diesem Wohngebäude fand die Polizei die Leiche von Matheus A. (†28).
In diesem Wohngebäude fand die Polizei die Leiche von Matheus A. (†28).  © Daniel Reinhardt/dpa

Der Prozess hatte im Juli 2019 begonnen. An einem der ersten Verhandlungstage ließ der Angeklagte mit italienischer und französischer Staatsbürgerschaft eine Erklärung verlesen.

In seiner damals geschilderten Version der Tatnacht war er das Opfer. Nicht er habe den 28-Jährigen sexuell bedrängt - es sei umgekehrt gewesen. Es sei zu einem Handgemenge gekommen. Irgendwann sei der junge Mann schlagartig ruhiger geworden und auf dem Bett eingeschlafen. Am nächsten Morgen sei er tot gewesen.

"Sein Gesicht war blau angelaufen", erklärte der Angeklagte. Der 46-Jährige lebt seit 2015 in Deutschland und hat in der Zeit keine Vorstrafen erhalten. Er arbeitete in der Alten- und Krankenpflege.

In dem Prozess muss sich der Mann noch wegen eines weiteren Falls verantworten. In der Nacht zum 14. Juli 2018 soll er bei einer Open-Air-Party einem anderen Mann ein Getränk mit K.o.-Tropfen gegeben haben, den Bewusstlosen vergewaltigt und davon Fotos und Videos gemacht haben.

Später habe er versucht, sein Opfer zu erpressen. Zu diesem Vorwurf machte der Angeklagte in dem Verfahren keine Angaben. Dieses Opfer hatte in dem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Das sei auch der Grund, warum die Öffentlichkeit nicht bei den Plädoyers dabei sein dürfe, erklärte der Gerichtssprecher.

Titelfoto: Fotomontage: Daniel Reinhardt/dpa, Polizei

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Hamburg:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0