Kripobeamter bezeichnet ehemaligen SS-Wachmann als kooperativ

Hamburg - Vor 75 Jahren stand Bruno D. als SS-Mann auf dem Wachturm im KZ Stutthof, jetzt ist er wegen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen angeklagt. Verschweigt oder beschönigt der Angeklagte seine Vergangenheit? Ein Vernehmungsbeamter schildert seinen Eindruck als Zeuge vor Gericht.

Ein Arzt begleitet Bruno D. in den Gerichtssaal.
Ein Arzt begleitet Bruno D. in den Gerichtssaal.  © Ulrich Perrey/dpa

Der in Hamburg vor Gericht stehende ehemalige Wachmann im KZ Stutthof hat offenbar schon im Ermittlungsverfahren bereitwillig über seine Vergangenheit Auskunft gegeben. 

In mehreren Vernehmungen zwischen Juni und August 2018 habe sich der heute 93-jährige Bruno D. kooperativ und redewillig gezeigt, sagte der Beamte nach Angaben eines Gerichtssprechers am Mittwoch als Zeuge vor der Strafkammer. Der Ermittler hatte nicht den Eindruck, der Beschuldigte halte Erinnerungen zurück.

Bruno D. wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen. Als SS-Wachmann in dem Konzentrationslager bei Danzig habe er von August 1944 bis April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt". 

Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolten und die Befreiung von Gefangenen zu verhindern, so die Staatsanwaltschaft. 

Bei den Vernehmungen habe D. nicht bestritten, damals bewaffnet Dienst auf den Wachtürmen des Lagers verrichtet zu haben, erklärte der Kripobeamte weiter. 

D. habe jedoch betont, dass er kein einziges Mal geschossen habe.

Mutmaßlich fehlerhafte Unterschrift entdeckt

An das KZ Stutthof erinnert ein Museum. (Archivbild)
An das KZ Stutthof erinnert ein Museum. (Archivbild)  © Piotr Wittman/PAP/dpa

Seine Übernahme von der Wehrmacht in die SS bleibt mit einer Unklarheit verbunden. Er könne sich nicht erinnern, einen erhalten gebliebenen Bekleidungsnachweis der SS unterschrieben zu haben. 

Die ihm gezeigte Unterschrift weise einen Schreibfehler auf, habe Bruno D. dem Vernehmungsbeamten gesagt.

Von einem Wachturm aus habe er das sogenannte Frauenlager überblicken und die weiblichen Häftlinge beim Appell beobachten können. 

Es sei nicht ausgeschlossen, dass einer der Wachtürme in der Nähe von Krematorium und Gaskammer gestanden habe. 

Unter den Wachmannschaften sei die Rede von "Judenvernichtung" gewesen.

Bereits am Anfang des Prozesses im vergangenen Oktober hatte D. von seinen Erinnerungen berichtet und gesagt, Stutthof sei ein "Ort des Grauens" gewesen.

Weil der Angeklagte zur Tatzeit erst 17 bis 18 Jahre alt war, findet der Prozess vor einer Jugendstrafkammer statt.

Titelfoto: Ulrich Perrey/dpa

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