Ex entführt und tagelang gefangengehalten: Erneuter Prozessbeginn gegen Trio

Hamburg/Nordhorn - Drei Männer stehen ab Mittwoch in Hamburg vor Gericht. Die Vorwürfe wiegen schwer: Geiselnahme in zwei Fällen und Körperverletzung.

Ein erster Prozess im Juni gegen die Angeklagten musste ausgesetzt werden.
Ein erster Prozess im Juni gegen die Angeklagten musste ausgesetzt werden.  © Christian Charisius/dpa

Angeklagt sind ein vorbestrafter Vater (52, Steuerhinterziehung, Diebstahl, Brandstiftung und Betrug), sein 25-jähriger Sohn und dessen gleichaltriger Freund, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die drei sollen die ehemalige Lebensgefährtin des Deutschen entführt haben. Der Prozess gegen das Trio beginnt zum zweiten Mal.

Anfang April 2020 trennte sich die damals 39 Jahre alte Frau nach 23 Jahren Beziehung von dem Hauptangeklagten. Das hat der Mann offenbar nicht akzeptiert. Laut Staatsanwaltschaft entschloss er sich, seine Ex-Partnerin "in seine Gewalt zu bringen und so lange gegen ihren Willen festzuhalten, bis sie bereit sei, die Beziehung mit ihm fortzusetzen".

Dazu habe er sie am 13. April 2020 unter einem Vorwand in sein Auto gelockt. Er fuhr mit ihr in Richtung Bad Bentheim (Grafschaft Bentheim).

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Dort – rund 270 Auto-Kilometer von Hamburg entfernt – soll der 52-Jährige die Frau in einem Waldstück ins Gesicht geschlagen und mit Kabelbindern gefesselt haben. Zusätzlich soll er ihr mit dem Tod gedroht haben, wenn sie nicht mit ihm nach Mexiko flüchte.

Zweite Entführung in einer Hamburger Tiefgarage

Die drei Angeklagten sollen gemeinsam eine Frau entführt haben.
Die drei Angeklagten sollen gemeinsam eine Frau entführt haben.  © Christian Charisius/dpa

Die Geiselnahme dauerte stundenlang. Erst am frühen Morgen des 14. Aprils 2020 ließ der Mann seine verletzte Ex frei. Zuvor hatte sie ihm versprochen, die Beziehung fortzusetzen und die Polizei aus dem Spiel zu lassen. Anschließend fuhren beide die Strecke zusammen zurück nach Hamburg. Doch die Frau dachte nicht daran, sich an die Abmachung zu halten. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei.

Daraufhin schmiedete der 52-Jährige neue Pläne. Er bat seinen Sohn und dessen Freund um Hilfe bei der erneuten Entführung seiner Ex. Damit sollte die Rücknahme der Anzeige sowie eine Fortsetzung der Beziehung erreicht werden.

Am 19. April 2020 soll das Trio den Plan in die Tat umgesetzt haben. Mit einem gemieteten Auto warteten die drei vor der Wohnung der Frau im Stadtteil Eidelstedt.

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In der Tiefgarage des Wohnhauses versuchten sie die Frau aus ihrem Wagen zu ziehen. Die 39-Jährige war aber in Begleitung ihres damals 18-jährigen Sohnes, der sich schützend vor sie und damit gegen seinen eigenen Vater stellte.

Nach sechs Tagen kommt endlich das Mobile Einsatzkommando

Spezialisten des MEK konnten die Frau nach ihrer mehrtägigen Geiselnahme befreien. (Symbolbild)
Spezialisten des MEK konnten die Frau nach ihrer mehrtägigen Geiselnahme befreien. (Symbolbild)  © Bodo Marks/dpa

Sein Halbbruder soll zwei Mal mit einem Taser auf ihn geschossen, aber nur die Jacke getroffen haben. Daraufhin schlug er zu, sein gleichaltriger Freund machte mit. Der 18-Jährige ging zu Boden, seine Mutter wurde auf die Rückbank des Mietwagens gezerrt.

Zuerst fuhr das Trio mit der Frau in ein Waldgebiet bei Wedel (Kreis Pinneberg). Hier soll der 25-jährige Freund des Sohnes einen Lohn von 1000 Euro für seine Mithilfe bei der Tat erhalten haben. Der 52-Jährige fuhr alleine weiter mit seiner Ex in die Nähe von Elmshorn. Auf einem Feldweg musste sie die Nacht auf der Rückbank verbringen.

Am Folgetag ging es erneut in die Grafschaft Bentheim – nach Nordhorn. In der Wohnung eines Bekannten soll der Entführer seine ehemalige Lebensgefährtin gefangen gehalten haben. Erst am 25. April – sechs Tage nach ihrer Entführung – überwältigte ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) der Polizei Hamburg den Deutschen beim Betreten des Hauses und befreite die Frau.

Ein erster Prozess gegen die drei Männer begann im Juni dieses Jahres. Das Verfahren wurde Mitte Juli ausgesetzt, da Fristen wegen ausgefallener Termine verstrichen waren, teilte ein Gerichtssprecher mit. Unter anderem sei der angeklagte Sohn beim letzten Termin nicht erschienen. Gegen ihn wurde daher ein Haftbefehl erwirkt und vollstreckt. Der 25-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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