Hirntumor nicht operiert: 13-Jähriger nach Ärztepfusch schwerstbehindert

Von Bernhard Sprengel

Hamburg – Ein 13-Jähriger wird mit einem Hirntumor ins Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg eingeliefert. Doch anstatt sofort zu operieren, verschieben die Ärzte den Eingriff um mehrere Tage - mit schwerwiegenden Folgen.

Blick auf den Eingangsbereich des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Hier kam es zu dem tragischen Ärztefehler. (Archivbild)
Blick auf den Eingangsbereich des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Hier kam es zu dem tragischen Ärztefehler. (Archivbild)  © Bodo Marks/dpa

Wegen des folgenreichen Behandlungsfehlers hat das Landgericht Hamburg das UKE zu einem Schmerzensgeld von 450.000 Euro verurteilt.

Außerdem muss die Haftpflichtversicherung des UKE alle entstandenen und zukünftigen Kosten des Patienten übernehmen, wie ein Gerichtssprecher am Montag erklärte.

Der Anwalt der Familie, Malte Oehlschläger, sagte der "Hamburger Morgenpost": "Die Summe dieser Beträge stellt ein Vielfaches des Schmerzensgeldes dar." Das Urteil vom 23. Juni ist noch nicht rechtskräftig.

Krankenschwester wegen versuchten Mordes an eigener Tochter (4) vor Gericht
Gerichtsprozesse Hamburg Krankenschwester wegen versuchten Mordes an eigener Tochter (4) vor Gericht

Bei dem 1997 geborenen Jungen war kurz vor Ostern 2011 ein Hirntumor entdeckt worden. Die Kinderklinik Altona hatte die Diagnose bestätigt und den Jungen zur sofortigen Operation ans UKE überwiesen.

Die Ärzte dort hätten jedoch keinen Notfall gesehen und den Eingriff auch wegen knappen Personals auf Dienstag nach Ostern verschoben - doch am Ostersonntag sei der Tumor ausgeblutet, berichtete die "Mopo".

Die Ärzte hätten eine Notoperation machen müssen. Der Gerichtssprecher bestätigte die Angaben.

23-Jähriger behielt schwere Schäden

Der Junge sei anschließend noch zwei Monate auf der Intensivstation und elf Monate in der Reha behandelt worden. Er behielt dennoch schwere Schäden. Der heute 23 Jahre alte Mann sei schwerstbehindert, hieß es.

Eine Sprecherin des Universitätsklinikums erklärte: "Das UKE äußert sich grundsätzlich nicht zu laufenden Verfahren."

Titelfoto: Bodo Marks/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Hamburg: