"Milliarden Mike" muss wieder vor Gericht: Polizistin gesteht Bestechlichkeit

Hamburg - Der unter dem Spitznamen "Milliarden Mike" bekannte Betrüger Mike Wappler (65) muss sich ab Montag (9 Uhr) erneut in Hamburg vor Gericht verantworten - zusammen mit einer Polizeibeamtin.

"Milliarden Mike" (65, r.) steht ab Montag wieder vor Gericht. (Archivbild)
"Milliarden Mike" (65, r.) steht ab Montag wieder vor Gericht. (Archivbild)  © Christina Sabrowsky/dpa

Die 45-Jährige soll in zehn Fällen zwischen Februar 2018 und April 2019 Daten aus polizeilichen Auskunftssystemen abgefragt und an den Angeklagten weitergegeben haben.

Als Gegenleistung soll sie von dem 65-Jährigen mindestens 500 Euro bekommen haben.

Die Beamtin habe aus finanziellen Schwierigkeiten Kontakt zu dem Angeklagten aufgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Die Anklage lautet auf Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung (Az. 619 KLs 15/20).

Der vielfach vorbestrafte Angeklagte war Co-Autor des vor acht Jahren erschienenen Buches "Milliarden Mike: Ich hab sie alle abgezockt".

Update, 13.37 Uhr: Angeklagte Polizistin gesteht Bestechlichkeit für "Milliarden-Mike"

Der Angeklagte "Milliarden Mike" steht zu Beginn des Prozesses im Sitzungssaal.
Der Angeklagte "Milliarden Mike" steht zu Beginn des Prozesses im Sitzungssaal.  © Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

Die ehemalige Polizistin hat im Prozess vor dem Landgericht Hamburg gestanden, den als "Milliarden Mike" bekannten Betrüger Polizei-Informationen gegen Geld verschafft zu haben.

Dabei ging es etwa um die Frage, ob ein Haftbefehl gegen den heute 65-Jährigen vorlag oder ob der Führerschein seiner Lebensgefährtin gültig sei. Auch Informationen zu einem prominenten Freund wollte "Milliarden-Mike" haben. Als Gegenleistung zahlte er laut Anklage mindestens 500, nach Angaben der Angeklagten 400 Euro.

Die 45-Jährige erklärte am Montag, sie habe den Kontakt zu Prominenten gesucht, um finanzielle Hilfe zu bekommen. Sie sei spielsüchtig und in finanzieller Not gewesen. Die Berliner Polizei hat sie auf eigenen Antrag inzwischen aus dem Beamtenverhältnis entlassen, wie ihr Anwalt mitteilte. Die Anklage lautet auf Bestechlichkeit.

Der 65-Jährige muss sich wegen Bestechung verantworten. Er sitzt zurzeit in Berlin eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren ab, zu der ihn das Landgericht Hamburg im November 2019 verurteilt hatte.

Im Rahmen des damaligen Strafverfahrens waren die Ermittler auch auf seine Kontakte zu der Polizistin gestoßen, wie ein Gerichtssprecher erklärte.

Update, 18 Uhr: Polizistin verurteilt

Wegen Bestechlichkeit hat das Landgericht Hamburg eine Berliner Polizistin zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Nach Überzeugung der Strafkammer gab die 45-Jährige "Milliarden Mike" in neun Fällen Auskünfte aus dem Polizeicomputer und kassierte dafür 500 Euro.

Es sei unbegreiflich, dass sich die inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschiedene Beamtin mit dem Betrüger eingelassen habe, sagte die Vorsitzende Richterin Ulrike Schönfelder am Montag. Mildernd angerechnet wurden der Angeklagten ihre Spielsucht und ihre schwierige persönliche Lage (Az: 619 KLs 15/20).

Der 65-jährige Mitangeklagte sitzt bereits wegen Betrugs in Berlin in Haft. Das Landgericht Hamburg hatte ihn Ende 2019 zu einer Strafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Wegen Bestechung kommen nach dem Urteil von Montag nun neun Monate hinzu.

Die Staatsanwaltschaft und der Verteidiger der Polizistin hatten zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Die Verteidiger des 65-Jährigen hatten dafür plädiert, ihren Mandanten mit maximal sechs zusätzlichen Monaten zu bestrafen. Beide Angeklagte hatten die Vorwürfe gestanden.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

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