Neun Schüsse auf 22-Jährigen: Urteil im Prozess um Raub und Rache im Drogenmilieu erwartet

Hamburg - Das Landgericht Hamburg will in einem Prozess um versuchten Totschlag und Drogenhandel am Montag (10 Uhr) sein Urteil verkünden.

Der Angeklagte soll am 30. Mai 2020 neun Schüsse auf einen 22-Jährigen im Stadtteil Bergedorf abgegeben haben. (Archivbild)
Der Angeklagte soll am 30. Mai 2020 neun Schüsse auf einen 22-Jährigen im Stadtteil Bergedorf abgegeben haben. (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Staatsanwaltschaft hat für den Angeklagten eine Jugendstrafe von fünf Jahren und neun Monaten gefordert.

Die Anklagebehörde hält es für erwiesen, dass sich der 20-Jährige des versuchten Totschlags, der gefährlichen Körperverletzung und des Drogenhandels schuldig gemacht hat.

Den ursprünglichen Vorwurf des versuchten Mordes ließ die Anklagebehörde nach Angaben eines Gerichtssprechers fallen.

Der Angeklagte soll mit Marihuana und Kokain gehandelt haben und am 19. April vergangenen Jahres Opfer eines Raubüberfalls geworden sein.

Die Täter hätten ihm zum Schein acht Kilo Marihuana für 40.000 Euro angeboten, hatte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt erklärt.

Angeklagter war mit zwei Komplizen auf Rachetour

Beim vereinbarten Treffpunkt am S-Bahnhof Nettelnburg schlugen sie ihn nieder und raubten ihm das Geld. Um sich zu rächen, habe der Angeklagte am 30. Mai zusammen mit zwei Komplizen einen der Räuber in Hamburg-Bergedorf abgepasst.

Als der 22-Jährige wegrannte, soll der Angeklagte neunmal auf den Flüchtenden geschossen haben, wobei drei Schüsse trafen.

Update, 16.42 Uhr: So lautet das Urteil

Das Landgericht Hamburg hat den Angeklagten zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt. Die Strafkammer sprach den 20-Jährigen am Montag wegen versuchten Totschlags, Drogenhandels und gefährlicher Körperverletzung schuldig. Nach Überzeugung des Gerichts handelte der Angeklagte mit mindestens 10 Kilo Marihuana und 300 Gramm Kokain.

Am 19. April vergangenen Jahres stellten ihm andere Kriminelle in der Nähe des S-Bahnhofs Nettelnburg eine Falle und raubten ihm 40.000 Euro an Drogeneinnahmen. Weil er glaubte, einer der Räuber sei in eine Wohnung geflüchtet, schoss der Angeklagte dreimal durch die Wohnungstür in Höhe des Türspions. Die Schüsse verfehlten nur knapp einen Vater.

Am 30. Mai lauerte der 20-Jährige zusammen mit zwei Komplizen einem der Räuber in Hamburg-Bergedorf auf. Dabei schoss der Angeklagte mindestens fünfmal auf den 22-Jährigen und verletzte ihn schwer.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den in Hamburg geborenen Angeklagten mit afghanischer Staatsangehörigkeit eine Jugendstrafe von fünf Jahren und neun Monaten gefordert. Seine Verteidiger hatten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

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