Horror-Prozess beginnt: Untermieterin jahrelang eingesperrt, gequält und dann getötet

Darmstadt – Sie sollen eine 55-Jährige gefangen gehalten, gequält und getötet haben: Eine Frau, ihr Sohn und ein mutmaßlicher Komplize müssen sich ab dem heutigen Donnerstag um 9 Uhr vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

Vor dem Landgericht Darmstadt sind zunächst elf Verhandlungstage angesetzt.
Vor dem Landgericht Darmstadt sind zunächst elf Verhandlungstage angesetzt.  © DPA/Christoph Schmidt

Der 50-jährigen Mutter und ihrem 26 Jahre alten Sohn wirft die Staatsanwaltschaft Mord vor, dem 24 Jahre alten mutmaßlichen Komplizen Totschlag.

Die Leiche der Frau war am 10. August 2016 in einer Kleingartenanlage in Frankfurt gefunden worden. Die Getötete soll, so die Anklage, ab 2011 in der Frankfurter Wohnung der Beschuldigten gewohnt haben.

Dort soll sie von den Angeklagten unter Führung der Mutter gefangen gehalten, körperlich sowie psychisch misshandelt und schließlich getötet worden sein.

Der Staatsanwaltschaft zufolge sollen die Angeklagte und ihr Sohn weitere Menschen, die in der Wohnung gewohnt haben, misshandelt und eingesperrt haben. Alle Angeklagten sind Deutsche.

Der Fall kommt jetzt vor Gericht, weil es erst 2020 Hinweise auf die Identität der Getöteten und die Angeklagten gab.

Der Prozess findet in Darmstadt statt, weil der jüngste Angeklagte zum Tatzeitpunkt Heranwachsender war und in Büttelborn wohnte, das zum Landgerichtsbezirk Darmstadt gehört. Es sind vorerst elf Verhandlungstage bis 15. Juli angesetzt.

Update, 14.52 Uhr: Frau gequält und getötet - Beschuldigter bestätigt Anklagevorwurf

Der 24-Jährige bestätigte über seinen Anwalt die Anklage. Demnach hatten Mutter und Sohn das fünf Jahre bei ihnen in der Frankfurt lebende Opfer töten wollen. Der Sohn soll angefangen haben, die Frau mit einer Plastiktüte zu ersticken. Auf Weisung der Mutter soll er die Tat vollendet haben, als der 24-Jährige dazukam. Die Angeklagte schwieg. Ihr Sohn verwies auf seine Aussage bei der Polizei. Im Gericht wollte er nicht aussagen, weil er sich von seiner Mutter beobachtet fühle.

Der 32 Jahre alte Sohn der Getöteten sagte aus, dass seine arbeitslose Mutter nach der Trennung von seinem Vater die 50-Jährige kennengelernt habe. "Die Angeklagte hat viele merkwürdige esoterische Sachen mit ihr gemacht", sagte der 32-Jährige. Unter anderem habe die Angeklagte Tarotkarten gelegt und behauptet, seine Mutter müsse Alkohol gegen einen angeblichen Gehirntumor trinken.

Das Verfahren läuft bei einer Darmstädter Jugendkammer, weil der jüngste Angeklagte zum Tatzeitpunkt Heranwachsender und im Gerichtsbezirk Darmstadt gemeldet war.

Titelfoto: DPA/Christoph Schmidt

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