Haus kurz vor Zwangsversteigerung in die Luft gejagt: War der Täter schuldunfähig?

Darmstadt – Im Prozess um ein 2019 im südhessischen Birkenau gesprengtes Wohnhaus könnten an diesem Mittwoch (9 Uhr) die Schlussvorträge gehalten werden.

Im Landgericht Darmstadt sollen am Mittwoch die Plädoyers gehalten werden. (Symbolfoto)
Im Landgericht Darmstadt sollen am Mittwoch die Plädoyers gehalten werden. (Symbolfoto)  © Daniel Naupold/dpa

Für den 61 Jahre alten Angeklagten geht es um die Frage, ob er wegen seiner narzisstisch-paranoiden Persönlichkeitsstörung schuldfähig war oder nicht.

Dass es der Angeklagte war, der am 22. März 2019 sein Haus in die Luft gejagt hatte, damit es an dem Tag nicht zwangsversteigert wird, war im November 2019 in einem ersten Landgerichtsprozess rechtskräftig festgestellt worden.

Der Bundesgerichtshof hatte aber entschieden, dass im ersten Urteil die Frage der Schuldfähigkeit nicht gründlich genug geprüft worden sei.

Das Landgericht verhandelt diesen Teil deshalb seit März 2021 erneut.

Update, 18.29 Uhr: Über sieben Jahre Haft

Ein Mann, der sein Haus im südhessischen Birkenau am Tag der Zwangsversteigerung in die Luft gesprengt hat, ist zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Darmstadt sprach dieses Urteil am Mittwoch. Bei dem 61 Jahre alten Angeklagten war eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung diagnostiziert worden. Allerdings hatten die psychiatrischen Gutachter und das Gericht ausgeschlossen, dass er dadurch in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mit dem Urteil folgte die Kammer weitgehend einem Landgerichtsurteil einer anderen Darmstädter Kammer aus dem Jahr 2019. Die hatte den Angeklagten zu acht Jahren verurteilt. Allerdings hatte der Bundesgerichtshof dieses erste Urteil teilweise aufgehoben, weil der Einfluss der Persönlichkeitsakzentuierung auf die Schuldfähigkeit überprüft werden musste. Dass der Angeklagte derjenige war, der sein Haus vor zwei Jahren am Tag der geplanten Zwangsversteigerung sprengte, hatte der BGH rechtskräftig bestätigt.

Mit dem Strafmaß folgte die Kammer exakt der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf maximal dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe plädiert. Seine Forderung hatte der Verteidiger damit begründet, dass der Angeklagte sein eigenes Haus zerstört habe und selbst den größten Schaden habe.

Der Angeklagte hatte in einer Einlassung vor den Plädoyers erklärt, er könne sich nicht an die Tat erinnern, dann aber eingeräumt, "ich war es wohl gewesen". Dass er sich genau an den Zeitraum nicht erinnern konnte, in dem er die Gasflaschen aufdrehte und Benzin im Haus verteilte, war für die psychiatrischen Gutachter nicht nachvollziehbar.

Titelfoto: Daniel Naupold/dpa

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