Prozess um Autoattacke auf Rosenmontagszug: Zeuge konnte wochenlang nicht laufen

Kassel - Im Prozess um den Angriff mit einem Auto auf den Rosenmontagszug im nordhessischen Volkmarsen haben am 22. Verhandlungstag weitere Zeugen vor dem Landgericht in Kassel ausgesagt.

Bei der Autoattacke wurden am 24. Februar 2020 im nordhessischen Volkmarsen 90 Menschen teils schwer verletzt.
Bei der Autoattacke wurden am 24. Februar 2020 im nordhessischen Volkmarsen 90 Menschen teils schwer verletzt.  © dpa/Uwe Zucchi

Ein Opfer berichtete am Donnerstag, es habe Reifen quietschen und Menschen schreien hören und habe noch zwei andere Personen weggestoßen, bevor das Auto mit ihm zusammengeprallt sei.

Dabei habe der Mann dem Fahrer ins Gesicht sehen können. "Es war gruselig, wie er einen angeschaut und gelächelt hat", erinnerte sich der 21-Jährige.

Der Zeuge erlitt bei dem Zusammenstoß Prellungen im Beckenbereich. Er habe wochenlang nicht laufen können und habe bis heute ab und zu Schmerzen im Bein.

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Nach der Attacke habe er panische Angst vor Autos gehabt und sich psychologische Hilfe gesucht. "Ich bin erstmal in kein Auto mehr gestiegen und bin zur Seite gesprungen, wenn ein Auto an mir vorbei gefahren ist", schilderte der junge Mann.

Der Gerichtstermin wühle alles wieder auf. "Es war schlimm, als ich die Ladung bekommen habe."

Der Vorwurf der Anklage: 91-facher versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen

Eine weitere Zeugin sagte aus, sie habe das Auto kommen sehen und sei in eine Art Schockstarre verfallen. Der 21-Jährige habe sie dann "zur Seite gedrückt". Sie leide bis heute an den psychischen Folgen der Tat, sei in Behandlung deswegen. Besonders zum Jahrestag der Amokfahrt sei alles wieder hochgekommen, schilderte die 18-Jährige.

"Ich höre manchmal, wie Leute geschrien haben und sehe, wie Freunde verletzt auf dem Boden gelegen haben", sagte sie. Auf die Frage eines Nebenkläger-Anwaltes, wie sie sich fühle, wenn sie den Angeklagten jetzt sehe, antwortete sie: "Ich frage mich halt, wie man so sein kann und sowas machen muss."

Der Angeklagte war laut Generalstaatsanwaltschaft am 24. Februar 2020 in eine Zuschauermenge und den Umzug gefahren. 90 Menschen, darunter viele Kinder, erlitten teils schwere Verletzungen. Weitere Opfer trugen seelische Wunden davon, die Ermittler gehen von insgesamt mehr als 150 Betroffenen aus.

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem heute 31-Jährigen 91-fachen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen sowie gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Das Motiv für die Tat ist bisher völlig unklar. Gegenüber Ermittlern äußerte sich der Angeklagte seit seiner Festnahme nach der Tat nicht.

Titelfoto: dpa/Uwe Zucchi

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