Bürostuhl mitgenommen: Erzbistum Köln zieht nach unrechtmäßiger Kündigung den Kürzeren

Köln - Das Arbeitsgericht Köln hat am heutigen Dienstag über eine Klage der früheren Justiziarin des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki (65) und ihr recht gegeben. Die ehemalige Mitarbeiterin habe sich zu Beginn der Corona-Pandemie laut Bistum illegalerweise einen rückenschonenden Bürostuhl mit in ihr Homeoffice genommen.

Blick auf das Erzbischöfliche Generalvikariat in der Kölner Innenstadt: Am Dienstag entscheidet das Arbeitsgericht über eine Klage der früheren Justiziarin des Erzbischofs Woelki (65).
Blick auf das Erzbischöfliche Generalvikariat in der Kölner Innenstadt: Am Dienstag entscheidet das Arbeitsgericht über eine Klage der früheren Justiziarin des Erzbischofs Woelki (65).  © Federico Gambarini/dpa

Daraufhin hatte die Frau eine fristlose Kündigung bekommen. Die Juristin klagte gegen die Kündigung und verlangte zusätzlich mindestens 50.000 Euro Schmerzensgeld.

Das Arbeitsgericht hatte am Morgen bereits Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Kündigung der Frau wegen geäußert. Das Gericht habe diesbezüglich "erhebliche Bedenken", sagte der Richter Hans-Stephan Decker am Dienstag in einer Verhandlung.

Natürlich könne ein Arbeitnehmer nicht einfach Bürostühle oder andere Arbeitsmittel mit nach Hause nehmen. Aber im konkreten Fall, der sich relativ kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie ereignet habe, müsse man berücksichtigen, dass es Situationen gegeben habe, in denen mehr zu Hause gearbeitet werden sollte.Kaum ein Homeoffice sei damals jedoch richtig eingerichtet gewesen.

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Am Mittag gab das Arbeitsgericht Köln der Klage der Frau statt. Die Kündigung werde für unwirksam befunden, erklärte es.

Anwalt des Erzbistums betitelt Mitnahme als "illegal"

Die fristlose Kündigung wird vor Gericht behandelt, da sich die beiden Parteien zuvor nicht auf einen Vergleichsvorschlag einigen konnten.
Die fristlose Kündigung wird vor Gericht behandelt, da sich die beiden Parteien zuvor nicht auf einen Vergleichsvorschlag einigen konnten.  © Federico Gambarini/dpa

Zur Begründung hieß es, die nicht abgesprochene Mitnahme von Eigentum des Arbeitgebers nach Hause stelle zwar eine Pflichtverletzung dar. In der damaligen Situation – kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie – habe das aber nicht ausgereicht, um eine außerordentliche Kündigung zu rechtfertigen. Das Erzbistum habe damals der Arbeit im Homeoffice Vorrang eingeräumt. Die dafür notwendige Ausstattung habe es aber so kurzfristig nicht zur Verfügung gestellt.

Ein Gütetermin hatte keine Annäherung zwischen den Parteien gebracht. Nun will das Gericht voraussichtlich in der Sache entscheiden. Es sei aber auch möglich, dass es etwa zu einem Auflagenbeschluss oder einem Beweisbeschluss komme und das Verfahren noch weitergehe, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Anwalt des Erzbistums, Wolfgang Glöckner, hatte in einer Verhandlung im vergangenen Jahr betont, bei dem Bürostuhl gehe es um einen "Gegenstand von durchaus erheblichem Wert". Die Mitnahme sei "illegal" gewesen.

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"Es gibt keinen einzigen Bürostuhl, der in Corona-Zeiten mit nach Hause genommen werden durfte", sagte der Anwalt. Zudem habe sich die Justiziarin kurz danach krank gemeldet. Nach Angaben ihres Anwalts Vielmeier leidet die Justiziarin an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie habe jahrelang die Akten zu den Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch durch Priester des Erzbistums durcharbeiten müssen.

Die Details seien schockierend und extrem belastend gewesen. Vielmeier sprach von einer "Kampagne" des Erzbistums gegen seine Mandantin.

Aktualisiert: 18. Januar 2022, 16.50 Uhr

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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