"Dann knall ich dich ab!": Ex-Politiker wegen Schuss auf 22-Jährigen verurteilt

Köln – Der ehemalige Kölner CDU-Politiker Hans-Josef Bähner (74), der auf einen jungen Mann geschossen hatte, ist am Montag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Der angeklagte Ex-Politiker wurde vom Kölner Landgericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. (Archivfoto)
Der angeklagte Ex-Politiker wurde vom Kölner Landgericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. (Archivfoto)  © Oliver Berg/dpa

Das Kölner Landgericht befand ihn der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Waffengesetz und Beleidigung für schuldig. Der 74-Jährige habe eine "fremdenfeindliche Gesinnung" an den Tag gelegt.

Der Angeklagte hatte den Schuss auf den 22-Jährigen durch seine Verteidiger am ersten Verhandlungstag zwar eingeräumt, aber als Unfallgeschehen darstellen lassen.

Das Gericht kam nach acht Verhandlungstagen, 20 vernommenen Zeugen und drei Sachverständigengutachten zu einer anderen Einschätzung. Demnach hat der 74-Jährige "einen gezielten Schuss in Richtung Oberkörper" seines Opfers abgegeben.

"Träume jede Nacht davon": Angeschossener im Drach-Prozess schildert Überfall
Gerichtsprozesse Köln "Träume jede Nacht davon": Angeschossener im Drach-Prozess schildert Überfall

Der damals 20-Jährige hatte in der Tatnacht mit drei Begleitern am Rheinufer im Kölner Stadtteil Porz in unmittelbarer Nähe zum Grundstück des Angeklagten Alkohol getrunken und Musik gehört.

Als Bähner seinen Hund im Garten ausgeführt habe, habe er einen Streit mit den jungen Männern vom Zaun gebrochen und diese als "Drecks-Kanacken" oder "Drecks-Ausländer" beleidigt. Damit habe der Angeklagte eine "fremdenfeindliche Gesinnung" an den Tag gelegt, urteilte das Gericht.

Der Angeklagte hatte rassistische Beleidigungen über seine Verteidiger abgestritten.

Ex-Politiker Bähner zeigt vor Gericht kein Bedauern

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. In seinem Schlussvortrag hatte der Ankläger von einer "bösartigen und perfiden" Tat gesprochen, weil der Angeklagte den 22-Jährigen mit der Waffe in der Hand aufgefordert habe: "Komm auf mein Grundstück, dann knall ich dich ab."

Weder in seiner durch die Verteidiger am ersten Prozesstag verlesene Einlassung noch in seinem letzten Wort zeigte der Angeklagte ein Zeichen des Bedauerns. Seine Verteidigung plädierte auf Freispruch und bezeichnete den 22-jährigen Nebenkläger als "Hochstapler und Lügner".

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Revision kann eingelegt werden.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Köln: