Fall Bergisch Gladbach: Angeklagter wurde offenbar selbst missbraucht

Köln – Ein im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach angeklagter Familienvater (43) soll in seiner Kindheit selbst sexuell missbraucht worden sein. 

Ein Familienvater (43) steht in Köln vor Gericht. Er gilt als zentrale Figur im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach.
Ein Familienvater (43) steht in Köln vor Gericht. Er gilt als zentrale Figur im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach.  © Oliver Berg/dpa

Der 43-Jährige bestätigte dazu am Montag vor dem Kölner Landgericht einen Bericht des psychiatrischen Sachverständigen. Darin ging es um die Biografie des Kochs und Hotelfachmanns.

Laut dem Bericht soll der Angeklagte acht bis zehn Jahre alt gewesen sei, als ihn ein etwa 15 bis 16 Jahre alter Junge aus der Nachbarschaft wiederholt missbraucht habe – in der Dusche, im Wald, auf einem Campingplatz und auf einem Heuboden.

Noch heute erinnere sich der Angeklagte an Gerüche aus dieser Zeit. Trotz der Erfahrung habe er im Alter von 16 Jahren seine damals neun Jahre alte Cousine sexuell missbraucht. Die Taten seien alle nie zur Anzeige gekommen.

Der Angeklagte, der als Vater später immer wieder seine Tochter missbraucht haben soll, gilt als zentrale Figur im sogenannten Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach.

Bei Durchsuchungen wurden in seinem Haus große Mengen kinderpornografischen Materials sowie Chatprotokolle mit Gleichgesinnten gefunden. Diese brachten Ermittlungen gegen ein Geflecht von vielen weiteren Verdächtigen ins Rollen.

Verteidigung gesteht Missbrauch der Tochter ein

Im Fall Bergisch Gladbach ist die Polizei auf Spuren von mehr als 30.000 Verdächtigen gestoßen.
Im Fall Bergisch Gladbach ist die Polizei auf Spuren von mehr als 30.000 Verdächtigen gestoßen.  © Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa

Zu den Vorwürfen hat sich der Deutsche geäußert – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Einem Antrag der Verteidigung zufolge bestreitet der Angeklagte allerdings, im Sommer 2017 mit dem Missbrauch seiner im April desselben Jahres geborenen Tochter begonnen zu haben.

Erste Missbrauchshandlungen habe es von Sommer 2018 an gegeben. Ab diesem Zeitpunkt existierten vom Angeklagten angefertigte Bild- und Videoaufnahmen, so die Verteidigung.

Die Taten, die vor Sommer 2018 stattgefunden haben sollen, seien von der Staatsanwaltschaft nur anhand von Chatnachrichten gegenüber Gleichgesinnten zur Anklage gebracht worden.

Seine dortigen Angaben hätten aber nicht der Wahrheit entsprochen, erklärte der Anwalt des Mannes.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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