Nach Eklat: Prozess um Rizin-Bombenbauer von Köln vor Scheideweg

Köln/Düsseldorf - Nach einem Eklat steht der Düsseldorfer Terrorprozess um den Bau einer Bombe mit dem hochgiftigen Rizin vor einer entscheidenden Weichenstellung.

Der mutmaßliche Rizinbombenbauer vor Gericht.
Der mutmaßliche Rizinbombenbauer vor Gericht.  © Federico Gambarini/dpa

Der Strafsenat hatte das Verfahren gegen eine 44-jährige Angeklagte von dem ihres Ehemannes abgetrennt. Beide Verfahren sollen an diesem Donnerstag (10.30/11.00) fortgesetzt werden.

Die Abtrennung erfolgte, weil die Verteidiger der Frau den Prozess am vergangenen Freitag auf eigene Faust vorzeitig verlassen hatten. Die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus seien nicht ausreichend, hatten sie behauptet.

Das Gericht muss nun klären, ob die Verfahren getrennt fortgesetzt werden müssen, möglicherweise sogar mit einem Neustart, oder sie wieder verbunden werden können.

Das Ehepaar soll gemeinsam einen islamistischen Anschlag geplant haben. Dem 31-jährigen Tunesier und seiner deutschen Frau wird seit Juni 2019 am Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gemacht. 

Das Paar hatte laut Bundesanwaltschaft begonnen, hochgiftiges Rizin aus Tausenden Rizinus-Samen zu gewinnen. Das Gift sollte demnach mit einer Bombe in einer Menschenmenge verteilt werden.

Frau soll arbeitsteilig mit an der Rizin-Bombe gebaut haben

Das Haus in Köln, wo die Tatverdächtigen an der Bombe gebaut haben sollen.
Das Haus in Köln, wo die Tatverdächtigen an der Bombe gebaut haben sollen.  © Oliver Berg/dpa

Die Ehefrau des mutmaßlichen Rizin-Bombenbauers von Köln blieb zuletzt wie ihr Mann in Untersuchungshaft. Der Bundesgerichtshof (BGH) verwarf eine Beschwerde der Verteidigung. 

Die Richter werden dem Mann und der Frau vor, dass beide gemeinsam einen islamistischen Anschlag planten und dafür "arbeitsteilig" an der Bombe bauten.

Das hatten die Ermittler erst nach und nach herausgefunden. Bei der Festnahme der 44-Jährigen im Juli 2018 dachten sie noch, dass die Frau ihrem Mann nur geholfen hatte (Az. StB 29/19).

Der BGH nimmt an, dass bei der siebenfachen Mutter Fluchtgefahr besteht. Das Verfahren sei sehr komplex und werde unter diesen Umständen schnell genug geführt.

Update, 15.16 Uhr: Zehn Jahre Haft für mutmaßlichen Rizin-Bombenbauer gefordert

Der mutmaßliche islamistische Rizin-Bombenbauer von Köln soll nach dem Willen der Bundesanwaltschaft für zehn Jahre in Haft. Das beantragte eine Vertreterin der Behörde am Donnerstag am Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Der Tunesier Sief Allah H. (31) hat nach Überzeugung der Ankläger im dicht besiedelten Köln-Chorweiler einen Anschlag mit einer biologischen Waffe vorbereitet. "Zum ersten Mal standen Angeklagte in Deutschland vor Gericht, die einen Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff vorbereitet haben", so die Vertreterin der Bundesanwaltschaft.

Update, 16.45: Gericht verhängt Haftstrafe

Für den Bau einer Bombe mit dem biologischen Kampfstoff Rizin in Köln ist ein 31-jähriger Islamist zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den Tunesier Sief Allah H. (31) am Donnerstag schuldig. Er habe einen Anschlag begehen und Menschen töten wollen.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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