Polizisten wegen brutaler Attacke auf 38-jährigen verurteilt

Düsseldorf – Weil sie einen 38-jährigen Altstadtbesucher schwer verletzt haben sollen, müssen sich zwei Polizisten (29 und 35) an diesem Mittwoch (14 Uhr) in Düsseldorf vor dem Amtsgericht verantworten. Den Beamten wird Körperverletzung im Amt vorgeworfen.

Zwei Polizisten stehen ab Mittwoch vor Gericht, weil sie einen Mann in der Düsseldorfer Altstadt schwer verletzt haben sollen. (Fotomontage)
Zwei Polizisten stehen ab Mittwoch vor Gericht, weil sie einen Mann in der Düsseldorfer Altstadt schwer verletzt haben sollen. (Fotomontage)  © Montage: Marius Becker/dpa, Tobias Arhelger

Laut Anklage hatten sie am 15. Oktober 2017 um 5 Uhr morgens in der Altstadt zwei Männer getrennt, die sich miteinander geprügelt hatten.

Als sich einer der Männer aus dem Staub machen wollte, soll ihn der 35-jährige Polizist festgehalten und am Boden fixiert haben.

Dann soll der 29-Jährige den Mann zunächst aufgerichtet, ihn geschlagen und erneut mit Knie und Schienbein minutenlang auf dem Pflaster fixiert haben. Sechs weitere Polizisten hatten dies der Anklage zufolge abgesichert.

Der so behandelte 38-Jährige sei wehrlos gewesen und habe keinen Widerstand geleistet. Die Gewalt der Polizisten sei nicht gerechtfertigt gewesen.

Das 38-Jährige mutmaßliche Opfer der Polizeigewalt soll dabei einen doppelten Nasenbeinbruch, einen Bruch der Augenhöhle sowie Blutergüsse und Schürfwunden erlitten haben. Überwachungskameras hatten das Geschehen aufgezeichnet.

Die beiden angeklagten Polizisten bestreiten die Vorwürfe.

Update, 20.15 Uhr: Gericht verurteilt Polizisten

Zwei wegen Körperverletzung im Amt angeklagte Polizisten sitzen mit ihren Anwälten in einem Verhandlungssaal des Amtsgerichts.
Zwei wegen Körperverletzung im Amt angeklagte Polizisten sitzen mit ihren Anwälten in einem Verhandlungssaal des Amtsgerichts.  © Martin Höke/dpa

Die beiden Polizisten sind vom Düsseldorfer Gericht verurteilt worden, weil sie einen 38-jährigen Altstadtbesucher schwer verletzt haben.

Der 29-jähriger wurde vom Amtsgericht zu neun Monaten Haft auf Bewährung und Zahlung von 3000 Euro an das Opfer verurteilt. Sein 35-jähriger Kollege wurde zu einem halben Jahr Haft auf Bewährung und 2500 Euro an das Opfer verurteilt. Beide wurden wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt schuldig gesprochen.

Im Prozess am Amtsgericht hatten die angeklagten Beamten die Vorwürfe zunächst bestritten. Das Opfer habe sich heftig gewehrt, sei wie von Sinnen gewesen und sie hätten den Mann auch nur nach Vorwarnung und nur mit der flachen Hand geschlagen. Anders hätten sie ihn nicht unter Kontrolle bringen können.

Staatsanwalt und Richter äußerten mehrfach Zweifel an der Version der Beamten: So sei auf den Videoaufnahmen einer Kamera keine echte Gegenwehr des Opfers zu erkennen. Außerdem habe einer der Beamten zuvor zwei Mal ausgesagt, den Mann mit der geballten Faust geschlagen zu haben.

Zudem sei es seltsam, dass insgesamt neun Polizisten einen nicht besonders starken Mann nicht anders hätten überwältigen können. Das Opfer sagte aus, er habe keine Gegenwehr geleistet, sei von den Beamten dennoch sofort zu Boden geworfen und zusammengeschlagen worden.

Nach einem Rechtsgespräch erklärten die Verteidiger, dass sich ihre Beamten nicht mehr gegen die Vorwürfe wehrten. Neben dem Strafverfahren wurde auch ein dienstrechtliches Verfahren gegen die Beamten eingeleitet.

Nach Angaben des Düsseldorfer Polizeipräsidiums sind die beiden Beamten nicht suspendiert. Bei einer rechtskräftigen Verurteilung zu mehr als einem Jahr Haft hätte ihnen der Ausschluss aus dem Polizeidienst und der Verlust ihrer Pensionsansprüche gedroht.

Körperverletzung im Amt kann mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Titelfoto: Martin Höke/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Köln:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0