Zeugen glaubten an Terroranschlag: Böllerwerfer vom Rhein-Derby muss in den Knast!

Köln – Der Böllerwerfer vom Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach im September 2019 ist vom Kölner Landgericht zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Der 35-jährige Böllerwerfer wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.
Der 35-jährige Böllerwerfer wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.  © Federico Gambarini/dpa

Aus Sicht des Gerichts hatte der 35-Jährige den in Deutschland verbotenen Böller geplant und im Wissen um die heftige und ohrenbetäubende Detonation gezündet und durch ein Absperrgitter vor der Südtribüne in den Stadioninnenraum geworfen.

"Wenn man den Böller Leuten direkt vor die Füße schmeißt und sich selbst schützend wegdreht, dann liegt da auch ein gewisses Heimtücke-Element vor", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung am Donnerstag.

Durch den Knall in der 83. Spielminute wurden laut Urteil 21 Menschen verletzt, darunter zahlreiche Pressefotografen und Ordner. Nicht wenige der Geschädigten hatten bei ihren Zeugenvernehmungen ausgesagt, nach der Detonation zunächst an einen Terroranschlag im Stadion geglaubt zu haben.

Zwei Opfern, die in dem Prozess als Nebenkläger aufgetreten waren, sprach das Gericht Schmerzensgeld in Höhe von 4000 beziehungsweise 5000 Euro zu. Die beiden Männer hatten bleibende Schäden wie teilweisen Hörverlust sowie chronischen Tinnitus und Kopfschmerz erlitten.

Der Verurteilte hat im September 2019 während eines Spiels im "RheinEnergieSTADION" einen Böller geworfen und dadurch zahlreiche Menschen verletzt. (Archivbild)
Der Verurteilte hat im September 2019 während eines Spiels im "RheinEnergieSTADION" einen Böller geworfen und dadurch zahlreiche Menschen verletzt. (Archivbild)  © Maja Hitij/dpa

Angeklagter wurde auch für Hitlergruß verurteilt

Ein Sprengstoffsachverständiger vom Bundeskriminalamt hatte dem Böller eine "besondere Gefährlichkeit" attestiert. So wies der Gutachter darauf hin, dass Knallkörper dieser Art schon beim Aufsprengen von Geldautomaten benutzt worden seien.

Ebenfalls verurteilt wurde der 35-Jährige wegen Zeigens des Hitlergrußes am Rande einer Demonstration am Kölner Hauptbahnhof im Oktober 2018. Ferner erging ein Schuldspruch wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beamtenbeleidigung bei einer Rangelei vor einem Kiosk im August 2020. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann Revision gegen das Urteil einlegen.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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