Gartenparty zu Himmelfahrt eskaliert: Nachwuchs-Boxer (†17) im Streit erstochen

Leipzig - "Kurz vor dem Ankommen im Erwachsenenleben müssen wir dich durch die Hand eines Täters für immer loslassen." Das schrieben die Eltern von Cedric (†17) in die Traueranzeige für ihren Sohn. Zu Himmelfahrt war er in Wurzen (Sachsen) erstochen worden (TAG24 berichtete). Nun steht der Mann vor Gericht, der das Leben des Nachwuchs-Boxers ausgelöscht haben soll.

Fühlte sich am Mittwoch nicht in der Lage, zur Sache auszusagen - der mutmaßliche Messerstecher Sandy-Heiko H. (22).
Fühlte sich am Mittwoch nicht in der Lage, zur Sache auszusagen - der mutmaßliche Messerstecher Sandy-Heiko H. (22).  © Ralf Seegers

Es sind nur sechs Meter, die Frank und Manja W. von dem Mann trennen, der laut Anklage für den schmerzlichsten Verlust in ihrem Leben verantwortlich ist. Sandy-Heiko H. (22) sitzt auf der Anklagebank, kaut Kaugummi und würdigt die als Nebenkläger auftretenden Eltern Cedrics keines Blickes.

Als sie erfahren, dass der mutmaßliche Messerstecher kurz vor dem Prozess auf freien Fuß kam, weil die Sechs-Monats-Frist der U-Haft überschritten war, schütteln sie den Kopf.

Der 22. Mai war noch keine zwei Stunden alt, als eine Himmelfahrts-Feier in einem Wurzener Vorgarten blutig endete. Der Angeklagte feierte hier lautstark mit Verwandten und Freunden. Offenbar zu laut. Den Ermittlungen zufolge geriet Cedric, der nicht Teilnehmer der Party war, mit Sandy-Heiko H. wegen des Krachs aneinander.

Das Opfer: Cedric W. (†17) war Nachwuchs-Boxer im Polizeisportverein Wurzen.
Das Opfer: Cedric W. (†17) war Nachwuchs-Boxer im Polizeisportverein Wurzen.  © privat
Kriminaltechniker sichern nach dem Messerangriff am Tatort zahlreiche Spuren.
Kriminaltechniker sichern nach dem Messerangriff am Tatort zahlreiche Spuren.  © Sören Müller

Verteidigung will Erklärung vorbereiten

Nach dem Tod Cedrics legten Freunde und Sportkameraden in der Nähe des Tatorts Blumen ab und stellten Kerzen auf.
Nach dem Tod Cedrics legten Freunde und Sportkameraden in der Nähe des Tatorts Blumen ab und stellten Kerzen auf.  © Frank Schmidt

Der Streit eskalierte. Laut Anklage zog H. ein Messer und rammte es seinem Gegenüber erst tief in die Brust, dann von hinten in die Schulter.

Zwar konnte der Notarzt den jungen Boxer des Wurzener Polizeisportvereins noch reanimieren. Doch im Krankenhaus verlor Cedric noch während der Not-OP seinen letzten Kampf. Die Messerklinge hatte sein Herz getroffen.

Wie das Gericht hätten auch Cedrics Eltern am Mittwoch gern von H. erfahren, was zu dieser Wahnsinnstat führte. Doch der Arbeitslose, der nach eigenen Angaben die Schule nach der 7. Klasse verließ, keine Ausbildung absolvierte und seither nie gearbeitet hat, fand zu dem Geschehen keinerlei Worte. Nur, dass es ihm schlecht ginge und seine psychischen Probleme einer Einlassung entgegenstünden - das teilte er dem Gericht bereitwillig mit.

Seine Anwältin erklärte, dass man für die Verhandlungstage im Januar eine Erklärung vorbereite.

Titelfoto: Montage: privat, Ralf Seegers, Sören Müller

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