Prozess gegen Hundehalter: Das Urteil ist gefallen

Leipzig - Im Prozess um den tödlichen Streit zwischen zwei Hundebesitzern in Leipzig hat die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe wegen Mordes gefordert.

Der Angeklagte Thomas S. (34) wird in den Gerichtssaal gebracht. Im Prozess gegen den Hundehalter hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Verurteilung wegen Mordes gefordert.
Der Angeklagte Thomas S. (34) wird in den Gerichtssaal gebracht. Im Prozess gegen den Hundehalter hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Verurteilung wegen Mordes gefordert.  © Ralf Seegers

Weil der 34 Jahre alte Angeklagte Thomas S. laut psychiatrischem Gutachten wegen einer speziellen Form der depressiven Störung vermindert schuldfähig ist, plädierte Staatsanwalt Torsten Naumann am Dienstag vor dem Landgericht Leipzig für eine Haftstrafe von neun Jahren.

Mit dem gezielten und wuchtigen Stoß mit dem Messer in die Schläfe seines Opfer, Maik R. (52), habe der Angeklagte dessen Tod billigend in Kauf genommen, betonte der Staatsanwalt.

Er sah das Mordmerkmal der Heimtücke als begründet an, weil das Opfer arg- und wehrlos gewesen sei.

Mordmotiv "Böse Gucken": Skurriler Prozess um tödliche Schüsse in Leipzig
Gerichtsprozesse Leipzig Mordmotiv "Böse Gucken": Skurriler Prozess um tödliche Schüsse in Leipzig

Die Tat hatte sich vor den Augen des 16 Jahre alten Sohnes von Maik R. abgespielt.

Staatsanwalt schildert die Tat

Staatsanwalt Torsten Naumann bezeichnete die Tat zum Prozessauftakt als "heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen".
Staatsanwalt Torsten Naumann bezeichnete die Tat zum Prozessauftakt als "heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen".  © Ralf Seegers

Opfer und Täter waren am Vormittag des 20. November mit ihren Hunden spazieren. Es kam zu einem ersten Streit, weil der 52-Jährige seinen Vierbeiner angeblich nicht angeleint hatte. Stunden später machte sich der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft auf die Suche nach seinen Kontrahenten und entdeckte sie am Abend in der gleichen Gegend.

"Mit den Worten 'Jetzt habe ich euch' ist er auf sie zugestürmt und hat den Mann mit der einen Hand gestoßen und ihm mit der anderen Hand das Messer in den Kopf gestoßen", erläuterte Naumann. Fünf Tage nach der Attacke erlag der Familienvater seinen schweren Kopfverletzungen.

Der Angeklagte selbst hatte im Verfahren erklärt, dass er das Opfer in Notwehr erstochen habe, weil er von Vater und Sohn plötzlich angegriffen worden sei. Diese Version sei in der Beweisaufnahme nicht widerlegt worden, betonte die Verteidigerin des 34-Jährigen.

Immer noch kein Schlussstrich unter Rathaus-Affäre: BGH hebt Urteile auf
Gerichtsprozesse Leipzig Immer noch kein Schlussstrich unter Rathaus-Affäre: BGH hebt Urteile auf

Zudem habe sich ihr Mandant nach dem ersten Streit nachweislich um stationäre psychiatrische Hilfe bemüht und nicht in erster Linie Rachepläne geschmiedet. Sie plädierte auf Freispruch.

UPDATE, 19.30 Uhr: Thomas S. wegen Mordes verurteilt

Die Entscheidung ist gefallen! Das Landgericht Leipzig hat Thomas S. am Dienstagabend wegen Mordes verurteilt.

Für den tödlichen Streit um einen nicht angeleinten Hund muss der 34-Jährige neun Jahre ins Gefängnis. Das reduzierte Strafmaß kam zustand, weil der Angeklagte laut psychiatrischem Gutachten wegen einer speziellen Form der depressiven Störung vermindert schuldfähig ist.

Das Nichtanleinen eines Hundes sei vom Angeklagten mit einem Messer geregelt worden, begründete der Vorsitzende Richter Hans Weiß die Entscheidung. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt. "Sie haben sich im Dunkeln von hinten mit den Worten 'Jetzt habe ich euch' ihren Opfern genähert", betonte der Richter. Diese hätten nicht mit einem derartigen Angriff rechnen können.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte an, das Urteil überprüfen zu wollen.

Titelfoto: Ralf Seegers

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Leipzig: