Prozess um Halle-Anschlag: Gericht beschäftigt sich mit Waffenarsenal des Attentäters

Magdeburg - Vieles, was sich der Halle-Attentäter für seinen Anschlag vorgenommen hatte, ging schief. Unter anderem funktionierten seine selbstgebauten Waffen schlecht. Im Prozess zum Halle-Anschlag will sich das Gericht nun näher mit Stephan Balliets (28) Arsenal beschäftigen.

Im Prozess zum Hale-Anschlag soll nun das Waffenarsenal des Attentäters im Fokus stehen. Dabei geht es auch um die Frage, wie er an die Waffen gelangte.
Im Prozess zum Hale-Anschlag soll nun das Waffenarsenal des Attentäters im Fokus stehen. Dabei geht es auch um die Frage, wie er an die Waffen gelangte.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Drei selbstgebaute Schusswaffen hatte der Attentäter beim rechtsextremen Terroranschlag von Halle dabei. Keine davon, so sagte Balliet vor Gericht, funktionierte so, wie er sich das vorgestellt hatte. 

Am Dienstag will sich das Oberlandesgericht Naumburg nach der dreiwöchigen Sommerpause des Verfahrens erneut den Waffen des 28 Jahre alten Angeklagten widmen. Sechs Sachverständige sind zum sechsten Prozesstag geladen.

Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens hatte in dem Prozess bereits ein Gutachten des Bundeskriminalamtes zu den drei Schusswaffen verlesen. 

Die BKA-Beamten hatten die Waffen des Mannes getestet und auf Gelatine-Blöcke geschossen, die menschliches Gewebe simulieren sollen, und die Feuerkraft und Präzision mit ähnlichen industriell gefertigten Waffen verglichen. Das Ergebnis des Gutachtens: Die Maschinenpistole, die Pistole und die Schrotflinte waren potenziell allesamt tödlich.

Prozess um Halle-Anschlag: Wie gelangte der Attentäter an seine Waffen?

Der Attentäter hatte im vergangenen Oktober versucht, eine Synagoge in Halle zu stürmen und dort ein Massaker anzurichten. Als ihm dies jedoch nicht gelang, erschoss er zunächst eine Passantin sowie kurz darauf einen Mann in einem Döner-Imbiss.
Der Attentäter hatte im vergangenen Oktober versucht, eine Synagoge in Halle zu stürmen und dort ein Massaker anzurichten. Als ihm dies jedoch nicht gelang, erschoss er zunächst eine Passantin sowie kurz darauf einen Mann in einem Döner-Imbiss.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Balliet hatte den Anschlag mit einem an seinem Helm befestigten Handy aufgenommen und das Video live ins Internet gestreamt. 

Auf dem Video, das zu Beginn des Prozesses im Gerichtsaal gezeigt worden war, ist immer wieder zu sehen, wie die Waffen des Mannes streiken und er darüber flucht. Eine Erwartung der Nebenklage an den Prozess ist, aufzuklären, wie der Angeklagte die Baupläne und -Teile der Waffen besorgen und diese dann fertigen konnte. Dabei griff der Attentäter unter anderem auf einen 3D-Drucker zurück.

Der Prozess ist für die Justiz in Sachsen-Anhalt eine besondere Herausforderung: Neben zwei Vertretern der Bundesanwaltschaft und den beiden Verteidigern des Angeklagten sind fünf Richter und 45 Nebenkläger an dem Verfahren beteiligt, die von 23 Anwälten vertreten werden. Unter anderem weil jeder dieser 23 Anwälte das Recht hat, jeden Zeugen zu befragen, hatten sich die Zeugenvernehmungen im bisherigen Verfahren teilweise länger hingezogen als erwartet. 

Das Gericht beraumte in der Sommerpause daher sechs weitere Prozesstermine an und verschob das geplante Ende des Prozesses von Mitte Oktober auf Mitte November.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Leipzig:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0