Rechter Sturm auf Connewitz: JVA-Beamter schweigt vor Gericht

Leipzig- Vor sechs Jahren zogen weit mehr als 200 Neonazis und Hooligans randalierend durch Leipzigs linken Kiez und richteten dort schwere Schäden an. Die juristische Aufarbeitung des "Sturms auf Connewitz" ist noch immer nicht beendet. Seit Dienstag steht ein JVA-Beamter vor Gericht, der am Überfall beteiligt gewesen sein soll.

Angeklagt wegen Landfriedensbruchs: Der JVA-Beamte Kersten H. (36) soll am Sturm auf Connewitz beteiligt gewesen sein.
Angeklagt wegen Landfriedensbruchs: Der JVA-Beamte Kersten H. (36) soll am Sturm auf Connewitz beteiligt gewesen sein.  © Ralf Schmidt

In der Innenstadt demonstrierte gerade Legida, als am Abend des 11. Januar 2016 ein rechter Mob marodierend durch Connewitz zog.

Die teils vermummten Männer zerstörten an 25 Läden, Kneipen und Wohnungen die Scheiben und demolierten 18 Autos. Laut Staatsanwaltschaft entstand ein Schaden in Höhe von 113.000 Euro.

Mit im Pulk soll der Justizbeamte Kersten H. (36) gewesen sein, dem nun wegen Landfriedensbruchs der Prozess gemacht wird.

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Der Leipziger Gefängnis-Wärter fand sich jedenfalls unter jenen 217 Verdächtigen, die nach dem Überfall auf der Flucht vor der Polizei in eine Sackgasse gerannt waren und dort festgenommen wurden.

Vor dem Amtsgericht schwieg der inzwischen suspendierte JVA-Beamte. Keine Erklärung zu den Vorwürfen, keine Angaben zu seinem Werdegang.

An 25 Geschäften, Kneipen und Wohnungen wurden damals die Scheiben eingeschlagen.
An 25 Geschäften, Kneipen und Wohnungen wurden damals die Scheiben eingeschlagen.  © Peter Endig/dpa

Welche Rolle spielte Kersten H.?

Nachdem sie in eine Sackgasse geflüchtet waren, nahm die Polizei 217 Randalierer auf einmal fest.
Nachdem sie in eine Sackgasse geflüchtet waren, nahm die Polizei 217 Randalierer auf einmal fest.  © Jan Woitas/dpa

Bislang ist unklar, welche Rolle H. im Mob spielte, ob er aktiv handelnd oder Mitläufer war.

Auf den vom Gericht gesichteten Videos sei er nicht zu erkennen gewesen, erklärte Richterin Lena Bilstein in der Verhandlung.

Für Kersten H. hängt die berufliche Zukunft vom Ausgang des Verfahrens ab. Würde er zu einer Freiheitsstrafe ab einem Jahr - auch auf Bewährung - verurteilt, wäre sein Beamtenstatus verloren.

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Erst Anfang 2019 war der Schließer vom Dienst suspendiert worden. Das Justizministerium erklärte damals, dass durch falsche Angaben des Verdächtigen bei der Polizei erst Ende 2018 bekannt geworden sei, dass es sich bei dem ihm um einen sächsischen JVA-Beamten handelt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Ralf Schmidt

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