Anschläge geplant: Heilpraktikerin muss sechs Jahre hinter Gitter

München - Im Prozess gegen eine mutmaßliche Rechtsterroristin aus Franken wird am Freitag das Urteil erwartet.

Die 55-jährige Angeklagte könnte am Donnerstag ihr Urteil wegen unter anderem Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.
Die 55-jährige Angeklagte könnte am Donnerstag ihr Urteil wegen unter anderem Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.  © Sven Hoppe/dpa

Die Heilpraktikerin aus Lauf bei Nürnberg steht vor dem Oberlandesgericht München, weil sie Grußkarten mit Todesdrohungen an Lokalpolitiker und zwei Vereine verschickt haben soll.

Danach soll sie entsprechend untergetaucht sein mit dem Ziel, Anschläge zu begehen.

Die heute 55-Jährige legte ihren ab Dezember 2019 versandten Drohbriefen laut Anklage teils Patronen bei, um die Botschaft zu unterstreichen.

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Bis zum September des folgenden Jahres habe sie sich mit Waffen und Material zum Bombenbau ausgestattet. Sie wurde jedoch festgenommen, bevor sie eine Tat verüben konnte. Die Anklage lautet unter anderem auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Schlagzeilen in ganz Deutschland gemacht hatte der Fall aus Bayern vor allem wegen einer Verbindung der Angeklagten zu den als NSU-Unterstützer verurteilten Ralf Wohlleben und André E.

Sie waren auch als Zeugen in dem Prozess geladen, beriefen sich aber auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht und erschienen nicht vor Gericht. Hinweise auf eine Verbindung zwischen der Frau und dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gebe es allerdings nicht, hatten mehrere Zeugen vor Gericht ausgesagt.

Update 12.32 Uhr: Anschläge geplant: Sechs Jahre Haft für Rechtsterroristin

Weil sie Politiker bedroht und einen Brandanschlag vorbereitet hat, muss eine Rechtsterroristin aus Franken für sechs Jahre in Haft.

Das Münchner Oberlandesgericht sah es am Freitag als erwiesen an, dass die 55-jährige Heilpraktikerin in den Jahren 2019 und 2020 aus rechtsextremer Gesinnung Grußkarten mit Drohungen an einen Bürgermeister und einen Landrat verschickt hatte. Zudem hatte sie sich mit Waffen und Materialien zum Bau einer Bombe eingedeckt.

Die Heilpraktikerin sei "fest entschlossen" gewesen, einen Brandsatz herzustellen und zu zünden, sagte der Vorsitzende Richter Michael Höhne in der Urteilsbegründung. Damit habe sie einen Amtsträger oder einen Anhänger des muslimischen Glaubens treffen wollen. Dafür habe sie unter anderem Flaschen mit Benzin in ihrem Auto gelagert.

Das Handeln der Angeklagten sei einer "nationalsozialistischen Gesinnung" entsprungen, an der sie keinen Zweifel gelassen habe. Die 55-Jährige hatte auch Kontakt zu den verurteilten NSU-Helfern Ralf Wohlleben und André E. gehalten.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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