Urteil nach Geiselnahme mit Schere: Frau erlitt wegen Todesangst Nervenzusammenbruch

Bamberg - Nach einer Geiselnahme mit drei Verletzten in Haßfurt muss der 26-jährige Angeklagte in eine Psychiatrie. 

Der Prozess gegen den 26-Jährigen, der mit einer großen Haushaltsschere fünf Menschen bedrohte, fand in Bamberg statt.
Der Prozess gegen den 26-Jährigen, der mit einer großen Haushaltsschere fünf Menschen bedrohte, fand in Bamberg statt.  © Daniel Karmann/dpa

Derzeit sei nicht garantiert, dass der Angeklagte nicht noch mal eine ähnliche Tat begehen werde, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch vor dem Landgericht Bamberg. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Deutsche hatte im Januar fünf Menschen, darunter seine Mutter und beide Geschwister, in einer Wohnung in Haßfurt festgehalten. 

Er drohte, sie mit einer Haushaltsschere zu erstechen. Der Mann hatte während der Tat unter Wahnvorstellungen und Halluzination gelitten und ist deshalb dem Gericht zufolge nicht schuldfähig.

Eine Frau, die zu Besuch bei der Familie war, musste etwa eine Dreiviertelstunde mit der Schere am Hals und Kopf ausharren, bevor sie von Polizisten befreit werden konnte. 

Zwei Beamten wurden durch das Gerangel leicht verletzt. Die Frau erlitt wegen der andauernden Todesangst einen Nervenzusammenbruch. 

Das Szenario wurde von einer Körperkamera, einer sogenannten Bodycam, eines Polizisten festgehalten. Auf den Aufnahmen waren die Bedrohungen und Verfolgungsfantasien des Angeklagten zu hören. 

Laut Richter bestand eine erhebliche "Gefahrensituation".

Sachverständiger sah sehr hohe Wahrscheinlichkeit für ähnliche Straftaten

Der Angeklagte verbrachte die Untersuchungshaft schon in einem Bezirkskrankenhaus.

Einem Gutachten der Klinik zufolge, das der Richter in seinem Urteilsspruch erwähnte, gehe derzeit keine Bedrohung vom Angeklagten aus. Er selbst halte sich nicht für krank.

Ein weiterer Sachverständiger sah hingegen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für ähnliche Straftaten durch den Angeklagten. Der 26-Jährige hätte im Gespräch keine Einsicht zum Unrecht der Taten erkennen können. Dies sei krankheitsbedingt und könne dem jungen Mann nicht vorgeworfen werden.

Unter anderem auf diesem Gutachten beruhend entschied sich das Gericht für eine Unterbringung in der Psychiatrie. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

Wie lange der 26-Jährige in der Klinik bleiben muss, hängt davon ab, ob er Einsicht für die gefährlichen Taten entwickelt - wenn nicht, sei ein dauerhafter Aufenthalt denkbar, sagte der Richter.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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