Doping-Arzt Mark S. zu langjähriger Haftstrafe verurteilt

München - Der erste große Doping-Strafprozess in Deutschland seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes ist mit Schuldsprüchen zu Ende gegangen. Der Thüringer Mediziner Mark S. wurde in München zu einer Haftstrafe verurteilt. Auch seine Helfer wurden schuldig gesprochen.

Der Angeklagte Mark S. (Mitte) wurde vom Landgericht München II zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten inklusive Berufsverbot von Jahren verurteilt.
Der Angeklagte Mark S. (Mitte) wurde vom Landgericht München II zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten inklusive Berufsverbot von Jahren verurteilt.  © Peter Kneffel/dpa

Der Erfurter Arzt Mark S. muss das jahrelange Geschäft mit Blutdoping hart büßen. Das Landgericht München II verurteilte den 42-Jährigen am Freitag zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten und einem Berufsverbot von drei Jahren.

Damit blieb das Gericht unterhalb des von der Staatsanwaltschaft geforderten Freiheitsentzugs von fünfeinhalb Jahren.

"Endlich erleben wir ein Urteil, das für die Betrüger im Sport drakonische Strafen beinhaltet", kommentierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann den Richterspruch.

BGH muss sich mit Maskenaffäre um Nüßlein und Sauter befassen
Gerichtsprozesse München BGH muss sich mit Maskenaffäre um Nüßlein und Sauter befassen

"Das ist ein enorm wichtiges Signal an den gesamten Weltsport und eine wertvolle Bestätigung für all diejenigen, die den Fair-Play-Gedanken respektieren und praktizieren", sagte er weiter.

Zugleich habe das Urteil fünf Jahre nach Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes die erste praktische Bestätigung dafür erbracht, "dass dieses nicht nur bei den Ermittlungen der Täter wertvoll" sei, sondern auch bei deren Verurteilung "angemessen umgesetzt" werde.

"Kurzum: der heutige Tag wird als sehr positiver in die Sportgeschichte eingehen und diese künftig an manchen Stellen prägen", so der DOSB-Präsident.

Mehrere Sportler über Jahre mit Blutdoping behandelt

Der Thüringer Mediziner Mark S. (links) hat über Jahre mehrere Sportler mit Blutdoping behandelt.
Der Thüringer Mediziner Mark S. (links) hat über Jahre mehrere Sportler mit Blutdoping behandelt.  © Christof Stache/AFP-Pool/dpa

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mark S. mehrere Winter- und Radsportler über Jahre mit Blutdoping behandelte. Zudem verabreichte er einer österreichischen Mountainbikerin in einem Fall ein Präparat, das nicht für den Gebrauch an Menschen zugelassen war.

Er wurde deshalb von der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Marion Tischler auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Neben dem thüringischen Mediziner wurden auch dessen vier Helfer in dem ersten großen Strafprozess in Deutschland seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes 2015 schuldig gesprochen. Als sein wichtigster Helfer erhielt der Handwerker Dirk Q. eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten.

Wahllos Menschen vergiftet? Angeklagte berichtet von "schadenfroher" Stimme in Kopf
Gerichtsprozesse München Wahllos Menschen vergiftet? Angeklagte berichtet von "schadenfroher" Stimme in Kopf

Die Krankenschwester Diana S. wurde zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Notfallsanitäter Sven M. und Ansgard S., ein Anwalt im Ruhestand, erhielten Geldstrafen. Gegen die Urteile sind Rechtsmittel möglich, sie sind noch nicht rechtskräftig.

Die Stimmen zum Urteil: "Ein Meilenstein" und eine "wegweisende Entscheidung"

Die Strafprozessordnung (StPO), das Strafrecht und das Strafgesetzbuch (StGB) stehen, beim Prozess gegen den Angeklagten Mark S. auf einem Tisch.
Die Strafprozessordnung (StPO), das Strafrecht und das Strafgesetzbuch (StGB) stehen, beim Prozess gegen den Angeklagten Mark S. auf einem Tisch.  © Peter Kneffel/dpa Pool/dpa

Für die Nationale Anti-Doping-Agentur ist das Urteil "ein Meilenstein" mit Signalwirkung. "Es zeigt mehr als eindeutig, dass Doping der falsche Weg ist", sagte die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann.

"Erstmalig werden ein im Leistungssport tätiger Arzt und seine Unterstützer nach dem Anti-Doping-Gesetz zu einer teilweise empfindlichen Freiheitsstrafe und einem Berufsverbot verurteilt." Systematisches Doping im Leistungssport sei kein Kavaliersdelikt. "Es ist wichtig zu sehen, dass das Anti-Doping-Gesetz greift."

Als eine "wegweisende Entscheidung" sieht auch Dagmar Freitag das Münchner Urteil an. Es zeige, dass bei Dopingvergehen erhebliche Haftstrafen und Berufsverbote verhängt werden können, sagte die Sportausschussvorsitzende des Bundestages.

Sportler und deren Umfeld sollte zudem gleichermaßen verdeutlicht worden sein, "dass sie mit Doping nicht nur mit der Gesundheit von Menschen spielen, sondern sich selbst auch in die Gefahr begeben, im Gefängnis zu landen".

Das Urteil sollte zudem die letzten Kritiker des Anti-Doping-Gesetzes überzeugen, betonte die SPD-Politikerin, "dass das Gesetz wirkt".

Das Netzwerk von Mark S. war Anfang 2019 aufgeflogen. Bei Razzien in Erfurt und während der Nordischen Ski-WM in Seefeld wurden im Rahmen der "Operation Aderlass" vier der fünf Angeklagten verhaftet. In dem Prozess legten alle fünf - teils umfassende - Geständnisse ab.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse München: